ZEIT ONLINE: Herr Lass, Love Steaks ist eine Independent-Produktion, gedreht während Ihrer Regie-Ausbildung an der Filmhochschule. Ihre Schauspieler sind überwiegend Laien, die Dialoge improvisiert. Not oder Tugend?

Jakob Lass: Was das Improvisative betrifft, war es nur Tugend. Etwas, das mir liegt, was ich schon in der Kindertheatergruppe gemacht habe. Improvisation bringt ein ganz anderes Schauspiel hervor. Und Schauspiel ist das, was mich als Regisseur am meisten interessiert. Ich glaube, es ist einer der tollsten Wege, eine Geschichte zu transportieren.

ZEIT ONLINE: Neben drei ausgebildeten Schauspielern treten ausschließlich Mitarbeiter eines Hotels in Ahrenshoop auf. Aus Geldgründen?

Lass: Nein, auch das war Konzept. Hotelmitarbeiter sind die besten Leute, die man fragen kann, wenn man etwas über ein Hotel erzählen will. Im Vorfeld hatten wir ein dramaturgisches Skelett geschrieben und bewusst sehr viele Klischees mit drin. Die Überraschung war, wie viel davon bestätigt wurde. Dass sie gesagt haben: "Ja, es stimmt, in der Küche wird knallhart gesoffen." Dass die Leute im Spa-Bereich tendenziell schüchtern sind, in der Küche eher extrovertiert.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie Tricks für die Arbeit mit Laienschauspielern, neben dem Verzicht auf geschriebene Dialoge?

Lass: Es war hilfreich, während ihrer Arbeitszeit zu drehen. Das heißt, sie hatten immer auch noch was anderes zu tun. Das war ein wichtiger Kniff, damit der Film quasi nebenbei entsteht.

ZEIT ONLINE: Sie nennen Love Steaks "den ersten FOGMA-Film der Welt". Im dazugehörigen Regelwerk ist zu lesen, dass es Ihnen um Offenheit, Wachheit und Flow geht. Aber auch um die Vermeidung von Panikstarre und Trägheit. Wo haben Sie die denn erlebt?

Lass: Panikstarre entsteht dann, wenn man sich überfordert. Es passiert Studenten oft, dass sie einen Film machen wollen, der nicht den eigenen Möglichkeiten entspricht. Das führt zu Panik, und Panik führt zur Lähmung. Wir haben uns deshalb gefragt: Wie kann man Lähmung verhindern? Was sind Kreativitätskiller beim Dreh? Eine Antwort darauf: übertrieben lange Arbeitszeiten. Deshalb haben wir täglich nicht länger als acht Stunden gedreht, zweimal vier Stunden.

ZEIT ONLINE: Inwiefern hat sich das Regelwerk noch auf die Arbeit ausgewirkt?

Lass: Wir haben einen Einschwörungsworkshop mit dem ganzen Team abgehalten, zu dem alle etwas beitragen konnten. Auch während des Drehs haben wir immer wieder Auflockerungsübungen gemacht. Man muss eine Scham überwinden, wenn man so albern wird. Aber das tat gut, weil es dem Ganzen eine Leichtigkeit gegeben hat.

ZEIT ONLINE: Wie sahen die Übungen konkret aus?

Lass: Ich habe zum Beispiel ein Spiel erfunden: Bei einem Dreh musste sich das Team wie ein unsichtbarer Schweif hinter der Kamera her bewegen. Das hat Spaß gemacht und war auch ein bisschen sportlich, man musste sich ständig ducken. Das Beste am jetzigen Erfolg ist, dass wir uns anfangs nur gefragt hatten: "Wie können wir eine Arbeitsweise schaffen, die uns eine gute Zeit verschafft?" Und jetzt kriegen wir so eine Welle an Zustimmung für das Ergebnis zurück.

ZEIT ONLINE: Ihre Filme werden häufig in die Schublade Mumblecore gesteckt. Zu Recht?

Lass: Ich habe das Wort nicht gekannt, bevor es über uns geschrieben wurde. Mir ist auch der Filmkörper Mumblecore nicht bekannt, ich hätte aber Bock, mir was davon reinzuziehen. Ich glaube übrigens, dass Schubladen wichtig für Filmemacher sind und nicht schlecht. Weil es leichter ist, über Filme zu sprechen, wenn man sie in einen Kontext setzt und vergleicht.