Der Film beginnt wie ein Märchen: "Vor langer Zeit lebte in Belfast ein Junge mit dem Namen Terri. Und alles in Terris Garten war rosa". Während der kleine Terri mit ausgebreiteten Armen wie ein Flugzeug durch den lichtdurchfluteten Rosengarten der Eltern kreist, spielt in seiner Fantasie der Countrymusiker Hank Williams den Song I saw the Light auf der Gitarre. In schneeweißem Anzug, mit beachtlichem Cowboyhut auf dem Kopf, schwebt Terris Idol zwischen Wattewölkchen im Himmel. Der Tagtraum wird jäh von den Pöbeleien der Nachbarskinder beendet. "Kommunistenschwein" rufen sie über die Hecke, weil Terris Vater ein strammer Sozialist ist. Erst fliegt nur eine Tomate in den Garten, als nächstes landet ein Spielzeugpfeil in Terris linkem Auge. "Er wird die Dinge anders sehen", sagt der Arzt im Krankenhaus. Von nun an hat Terri ein Glasauge. Am Ende des Films weiß man, dass Terri Hooley die Dinge mit einem Auge klarer sieht als die meisten Menschen in Belfast mit zwei gesunden Augen.

Es ist nicht nur der Pfeil, der das Märchen einer unbeschwerten Kindheit zerstört. Während auf der Tonspur Williams' Song langsam einem bedrohlichen Dröhnen weicht, verbleichen auch die Bilder des Films. Mit einer Collage aus historischem Nachrichtenmaterial illustrieren die Filmemacher Lisa Barros D'Sa und Glenn Leyburn den aufkommenden Nordirlandkonflikt im Zeitraffer: Auf harmlose Volksfeste und Prozessionen folgen Demonstrationen, aus Gerangel werden Straßenschlachten. Zunehmend patrouillieren Soldaten und Panzer in der Stadt. Bomben explodieren, Tote liegen auf den Straßen.

"Was für ein scheiß Alptraum". Terri Hooley sitzt mit seinen Eltern vor dem Fernseher und reibt sich entsetzt sein gesundes Auge. Er ist Anfang 20, als die Spannungen zwischen den irisch-nationalistischen Katholiken und den pro-britischen Protestanten in den frühen siebziger Jahren eskalieren. Nach dem Vorbild seiner Eltern hält er sich raus, so gut es geht. Seine Leidenschaft gilt der Musik: Als DJ spielt er in einem Club die neuesten Reggae-Singles. Die friedliebende Message des gerade auf Jamaika entstandenen Reggae saugt er begierig auf. Doch mit den Straßenschlachten und Bombenattentaten erlischt das gesellschaftliche Leben in Belfast. Popmusik und Jugendkultur haben da keinen Platz. Auch Hooleys Club bleibt bald leer.

Was leicht ein weiteres Drama vor dem Hintergrund des Nordirlandkonflikts hätte werden können, ist eine Biografie, die mit viel Witz den unverwüstlichen Optimismus seines Protagonisten feiert. Mit angemessen gutem Soundtrack (David Bowie, The Animals, The Shangri-Las, The Upsetters, The Undertones und allerlei obskurer Punk aus Belfast) und trockenem Humor macht der Film aus einer Randnotiz der Popgeschichte eine strahlende Legende. Trotzig hat Terri Hooley Mitte der siebziger Jahre inmitten des von Bomben erschütterten Belfast den Plattenladen Good Vibrations eröffnet. Der Laden wird zum Refugium für Andersdenkende aller Konfessionen und somit zum einzigen Ort in Belfast, an dem sich Protestanten und Katholiken friedlich begegnen. Als sich 1977 der Punkvirus auch in Nordirland ausbreitet, ist Terri Hooley gleich von der entfesselten Energie des neuen Sounds angefixt. Er gründet ein Label und mit der ersten selbst produzierten Single der Undertones im Gepäck besucht er die großen Plattenfirmen in London.

Aber dort hat niemand auf die Undertones gewartet. Stattdessen schlägt Hooley Unverständnis entgegen: "Wo sind die Knarren, Bomben, Panzer? Wo ist die Wut?", fragt ihn ein Plattenboss, ganz geil auf Drama. "Mir wurde Belfast-Punk versprochen, aber das hört sich an, als ginge es denen zu gut".

Die Undertones-Hymne Teenage Kicks ist tatsächlich ein Manifest ungebremster Lebensfreude. "A teenage dream's so hard to beat", singt Feargal Sharkey. Punk funktioniert im von Gewalt beherrschten Belfast unter umgekehrten Vorzeichen. Für "No Future"-Provokationen ist kein Platz, wenn die Jugend tatsächlich keine Zukunft hat. Das hat auch der legendäre BBC-DJ John Peel erkannt, der 1978 etwas macht, was er noch nie getan hat und auch danach nie wieder tun wird: Er spielt die Single, die ihm Hooley geschickt hat, gleich zweimal hintereinander. Endlich findet der energetische Punk aus Belfast Gehör.

Der Film feiert diese historischen Momente des Erfolgs. Zwar sieht man auch Szenen des Terrors, in denen gewaltbereite Jungspunde den Plattenladen bedrohen oder Terry von Paramilitärs zusammengetreten wird. Im Zentrum des Films steht aber Terri Hooleys ergreifender Enthusiasmus. Regelrecht zelebriert werden die großen Popmomente: Wenn Hooley im Radio hört, dass John Peel die Single spielt, rennt er auf die Straße und genießt mit in den Himmel gereckten Armen den Triumph. Auch wenn der gleißende Lichtkegel, in dem er plötzlich steht, kein himmlisches Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste am Punk ist, sondern der Suchscheinwerfer eines patrouillierenden britischen Hubschraubers, der ihn ins Visier genommen hat: Hooley steht vor uns, als sei er ein Heiliger der Popmusik, ein Held, den nichts und niemand stoppen kann. Der Film macht es wie der Punk-Klassiker der Undertones: Die Lebensfreude trotzt jeglicher Gewalt.