Eine der bedeutendsten deutschen Filmregisseurinnen ist tot: Wie die Deutsche Filmakademie mitteilt, ist Helma Sanders-Brahms am Dienstagmorgen im Alter von 73 Jahren in Berlin gestorben.

Zum Gruppenbild der zornigen jungen Regisseure um Alexander Kluge, Edgar Reitz, Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder und Werner Herzog, die sich in den sechziger Jahren vom ultrakonservativen deutschen Kino der Wirtschaftswunderzeit abwandten, gehört sie nicht direkt.

Wohl aber wurde Helma Sanders-Brahms zur herausragenden Protagonistin des frauenbewegten Kinos nach dem gesellschaftlichen Aufbruch von 1968. Ihre Filme machten das soziale und politische Leben zum Thema und fokussierten sich besonders auf die Gewinnung eines neuen Frauenselbstbewusstseins zwischen Beruf und Familie.

Anfänge als Fernsehansagerin

Geboren am 20. November 1940 in Emden, begann sie zunächst als Schauspielerin, arbeitete als Fernsehansagerin und Fotomodell, bevor sie in der Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Sergio Corbucci oder Pier Paolo Pasolini zum eigenen Filmemachen kam. 

In den späten sechziger Jahren begann sie mit Dokumentarfilmen – in Angelika Urban, Verkäuferin, verlobt (1969), beim Festival von Oberhausen mit zwei Preisen ausgezeichnet, porträtierte sie eine Warenhausverkäuferin. In Die industrielle Reservearmee und Die Maschine setzte sie ihre Beschäftigung mit der Arbeitswelt fort. 

Erster Spielfilm-Erfolg

Ihren ersten Spielfilmerfolg errang sie 1975 – mit der politisch grundierten Liebesgeschichte Unter dem Pflaster liegt der Strand über zwei Schauspieler an der Berliner Schaubühne. Es folgten das Migrationsdrama Shirins Hochzeit über eine vor Zwangsheirat nach Deutschland geflohene Türkin sowie die Kleist-Biografie Heinrich.  

Ihre wohl bekanntesten Werke sind das Nachkriegsdrama Deutschland, bleiche Mutter (1980) und Die Berührte (1981) über das Schicksal einer schizophrenen Frau. In ihrem letzten Film, Geliebte Clara (2008), widmete sie sich, mit Martina Gedeck in der Hauptrolle, der Dreiecksbeziehung zwischen Clara und Robert Schumann und dem jungen Johannes Brahms – einem ihrer eigenen fernen Vorfahren.  

Ihre Arbeiten wurden auch international geschätzt, vor allem in Japan und Frankreich wurde ihr Werk besonders beachtet. Im Sommer 2013 wurde Helma Sanders-Brahms mit der Ehrendoktorwürde der Universität Göteborg ausgezeichnet.  

Erschienen im Tagesspiegel