Ein weicher, etwas unbestimmter Händedruck, fragende, leicht glasige Augen, die Stimme leise, sodass man etwas genauer hinhören musste, wenn man jedes Worte verstehen wollte. Karlheinz Böhm sprach langsam, achtete darauf, dass sein Gegenüber auch alles mitbekam, an diesem Tag im Frühjahr 1984. Denn er hatte jene Botschaft mitzuteilen, die er seit der Wetten, Dass..?-Sendung vom 16. Mai 1981 immer und immer wieder mit derselben Empathie verkündete: Im Norden Afrikas, in der Sahelzone, in Äthiopien verrecken Menschen, sie verhungern, vergessen von der Welt. 

Er hatte Bilder dabei, Laptops gab es damals keine, auch keine Smartphones, also Fotos. Man sah Frauen mit hängenden, ausgedörrten Brüsten, Kinder mit riesigen Bäuchen, die apathisch dalagen, Fliegen krochen über ihre Gesichter wie kleine Geier, Todesboten. 

Karlheinz Böhm war Filmschauspieler gewesen. Damit war es jetzt vorbei. 1983 hatte er noch in Wien den Schwierigen von Hofmannsthal gegeben. Im Theater an der Josefstadt, jener Bühne, auf der sein Schauspiel begann. Böhm war der Sohn der Sopranistin Thea Lindhart und des mächtigen Dirigenten Karl Böhm – sein Vater blieb in permanenter Abwesenheit stets anwesend und ein Klotz am Bein. 1928 in Darmstadt geboren und um die Wehrmacht mit allerlei Tricks gerade noch herumgekommen, sprach Karlheinz Böhm von einer schweren, belastenden Kindheit, vom Schweizer Internat, wo er sich unwohl und verlassen fühlte, von mangelnder Liebe, die ein Kind doch brauche. Und dass er später Schauspieler wurde, um diese Liebe zu suchen. Pianist wollte er zunächst werden, aber das wollte sein Vater nicht. Das Germanistikstudium, das seine Eltern oktroyierten, verwarf er bald. Seine Revolution war es, dem zielstrebigen Patriarchen das Ziel zu verweigern.

Böhm gab Österreich einen guten Kaiser

Da schickten die Eltern den Achtzehnjährigen zu Paula Wessely und Attila Hörbiger in das von Besatzung und Schwarzmarkt gezeichnete Wien. Die beiden waren Ikonen des österreichischen Schauspiels, zwei Egozentriker, die Bühne und Film gleichzeitig bespielten. So lernte Böhm auch beides gleichwertig zu betrachten und bediente, was damals gefragt war: das Bieder-Bürgerliche, das in teils grotesk schlechten Filmen und gähnend langweiligen Aufführungen seinen Niederschlag fand. 

Und Böhm gab den Österreichern, was sie nie hatten: einen guten Kaiser. Die unsäglichen, kitschumwölkten und geschichtsverklärenden Sissi-Filme waren es, die Karlheinz Böhm (und Romy Schneider) einer größeren Öffentlichkeit erst bekannt machten. Böhm spielte den vorletzten Habsburger Monarchen, der die Aufstände von 1848 und die Separation Oberitaliens in Blutrunst zusammenschießen ließ, als freundlichen Schicksalsgebeutelten und idealen Schwiegersohn. Böhm spielte Böhm. 

Hollywood sah trotzdem hin. Und sah den jungen Leidenden, an sich Leidenden, an der Welt Leidenden, sah sein Spielvermögen, das Selbstzweifel und Haltlosigkeit vermitteln konnten: Gebrochene weckten Interesse.