Ziemlich unangenehmer Typ, der da vom Kinoplakat starrt. Fackelt bestimmt nicht lange. Schwarze Lederjacke, Stoppelbart, verrutschter Irokesenschnitt. Das Gesicht kommt einem irgendwie bekannt vor. Es dauert eine Weile, bis es klingelt: Das sind Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel! So montiert, dass aus ihren Gesichtern eine einzige, schlecht gelaunte Visage wird.

Dann klingelt es gleich noch mal: So ein Plakat gab es schon mal in den Neunzigern. John Travolta und Nicolas Cage waren damals ineinander verschmolzen, wenn auch noch nicht ganz so geschickt digital montiert. Ihr Film Im Körper des Feindes war der größten Action-Thriller der Dekade, völlig durchgeknallter Hollywood-Bombast, ganz großes Star-Kino.

Ist hier also jemand so größenwahnsinnig und nimmt sich diesen Thriller zum Vorbild? In Deutschland, wo man, wenn es spannend sein soll, sonntags um 20.15 Uhr vor dem Fernseher Platz nimmt?  

Regisseur Maximilian Erlenwein ist nicht größenwahnsinnig, sondern einfach mutig. Seit seinem Debüt Schwerkraft (2010), einem grandiosen Thriller um einen Bankangestellten, der zum Einbrecher wird, gilt er als große Hoffnung für ein mutiges, wagemutiges deutsches Genre-Kino.

Mit Stereo spielt er auf der großen Klaviatur des Action-Kinos. Sein Film ist ein Biest von einem Thriller. Allein dieser Vorspann! Düster, nachtschwarz, Molotowcocktails und Feuer. Dann rast in einer großen Panorama-Einstellung ein schwarzes Motorrad durch eine sommerliche Landschaft. Durch die deutsche Provinz. Mecklenburg-Vorpommern vielleicht. Deutsche Weizenfelder, deutsche Mähdrescher, deutsche Polizisten, die Geschwindigkeitssündern Strafzettel ausstellen. Ein reizvoller Zusammenstoß, diese larger-than-life-Bildsprache und die biedere Welt der Kaninchenzüchtervereine.

Der da hineinrast in sein neues Leben, ist Erik (Jürgen Vogel). Vorleben unbekannt, hier auf dem Land hat er sein Glück gefunden, mit Freundin Julia (Petra Schmidt-Schaller), Stieftochter und Motorrad-Werkstatt. Doch er wird geplagt von Halluzinationen. Zuerst hält er Henry (Moritz Bleibtreu) für real, aber bald wird Erik klar, dass der Typ mit dem Kapuzenpulli nur in seiner Fantasie existiert. Henry macht sich lustig, provoziert, macht Eriks neu gefundenen Frieden in der Spießer-Idylle madig. Und es dauert nicht lange, da tauchen noch andere miese Typen auf, diesmal aber eindeutig echte, die scheinbar aus Eriks Vergangenheit kommen und ihn in einen Rachefeldzug ziehen wollen, dessen Sinn er nicht wirklich versteht. Aber der tätowierte Schriftzug "Halunke" auf seinem Arm ist wohl kein Witz, und die misstrauischen Blicke von Julias Vater (Rainer Bock), einem Polizisten, erscheinen mit jeder Minute mehr angebracht.