Leise summt die Klimaanlage. Die schweren Türen schmatzen beim Öffnen und Schließen. An den Wänden dezente Farbtöne, dicker Teppich dämpft die Schritte. Getönte Fenster filtern das Sonnenlicht. Nur der entfernt verpuffende Knall einer Explosion dringt manchmal durch die dreifach verglasten Scheiben.   

Öllers (Devid Striesow) und Niederländer (Sebastian Blomberg) leben in der Welt der Luxushotels. Dort treffen die Unternehmensberater sich mit Kunden, bewegen Millionenbeträge, entscheiden über das Schicksal von Angestellten. Aber nach draußen gehen? "Bist du wahnsinnig?", blafft Niederländer seine neue Kollegin Bianca (Katharina Schüttler) entgeistert an, die ernsthaft in einem Reiseführer blättert. "Weißt du, welche Krankheiten du dir da holst?"

Johannes Naber lässt seinen Film Zeit der Kannibalen ausschließlich im Hotel spielen. Wenn die Kamera nach draußen schwenkt, sieht man nur aus Pappmaché hergestellte Quader. Der Film ist ein Kammerspiel, das den Ort des Geschehens überhöht, es zum Fetisch macht, zum Zeichen der Überhebung der Protagonisten über die Welt da draußen. "Die Koordinatensysteme der Helden orientieren sich nicht an der Realität, sondern an der Kunstwelt, die sie selbst geschaffen haben", sagt Naber. "Die einzige Wirklichkeit, die für sie zählt, sind der Roomservice und die Optimierungstools ihrer Company."

Das Innenleben der Macht und die abgehobene Manager-Elite sind seit der Finanzkrise auch im deutschen Kino ein Thema. Marc Bauder ließ in seinem Dokumentarfilm Masters of the Universe einen Banker über das Innenleben der Finanzwirtschaft plaudern, dass einem die Haare zu Berge standen. In Christoph Hochhäuslers Unter Dir die Stadt sind die Investmentbanker wie durch Panzerglas von der Welt da draußen und ihren eigenen Gefühlen abgeschnitten.

Nun also Öllers und Niederländer, diese beiden Männer ohne Vornamen. Der eine hat einen schwer an Neurodermitis erkrankten dreijährigen Sohn, den er nie sieht und eine Frau, die ihn verlassen will. Zwischendurch hat er Sex mit diversen Zimmermädchen. Der andere probt Kofferpacken im Dunkeln und drangsaliert das Personal, wenn eine Mücke es geschafft hat, in sein Zimmer vorzudringen.