Kaum lädt Hatice (Idil Üner) einen netten jungen Mann zu sich nach Hause ein, geht das Gemecker los. Nicht von Mama oder Papa. Wenn die davon wüssten, würde es noch etwas anderes setzen als Gemecker. Nein, von einigen kleinen, wild fuchtelnden Gestalten in traditioneller anatolischer Kluft. Denn es ist ja scheinbar so: Jede deutschtürkische Frau trägt im Kopf immer ein ganzes anatolisches Dorf mit sich herum. Dessen imaginäre Bewohner schlagen sofort Alarm, wenn etwas passiert, dass anatolischen Vorstellungen von Anstand und Sitte widerspricht.

So wollen es zumindest die Macher der Culture-Clash-Komödie Einmal Hans mit scharfer Soße. Muss man sich den Kultur-Konflikt der zweiten Einwanderer-Generation also so vorstellen? Als niedlich gedachten, technisch aber mangelhaft umgesetzten und schlecht choreografierten CGI-Effekt?

Ist schon klar: Das Thema soll angeschnitten werden, aber nett verpackt, das hier ist schließlich eine Komödie. Das deutsch-türkische Zusammenleben ist schwierig genug, lasst uns auch mal drüber lachen! Das Problem ist nur: Einmal Hans mit scharfer Soße ist seicht statt witzig. Und immerzu hat man das Gefühl, dass hier viel Schmerz und Frust über das Ausmaß der kulturellen Kluft durch billige Gags weggedrückt werden. Was zu einem Teil am Film selbst, zum anderen auch an der Vorlage liegt.

Hatice Akyüns gleichnamiger Roman erschien 2003 und wurde mit 300.000 verkauften Exemplaren ein großer Erfolg. Darin verarbeitet die Journalistin, die als Dreijährige mit ihren Eltern nach Deutschland kam, eigene Erfahrungen. Die Hatice des Romans hat die Schallgrenze von 30 Jahren längst durchbrochen und treibt ihren Vater mit ihrer Weigerung, endlich mal zu heiraten, in den Wahnsinn. Ismail (Adnan Maral) besteht ja schon gar nicht mehr auf einem türkischstämmigen Schwiegersohn, sogar ein Deutscher ist ihm mittlerweile willkommen. Wenn Töchterchen nur endlich überhaupt in den Hafen der Ehe einliefe!

Das aber liebt das Leben als erfolgreiche Journalistin in Hamburg und gibt ihrem deutschen Freund den Laufpass, als der auf Macho macht. Dummerweise wird Hatices jüngere Schwester von ihrem Freund schwanger und muss nun ihrerseits dringend heiraten, bevor das Malheur offensichtlich wird. Weil Papa aber stur verlangt, dass die älteste Tochter als Erste getraut werden muss, steht Hatice nun unter gewaltigem Zeitdruck.

Hatice Akyün hat sich um die Integration verdient gemacht. Für den Spiegel schrieb sie unter dem Titel Der Denkzettel ein Stück über den Brandanschlag von Solingen. Sie wehrte sich lautstark gegen die rassistischen Thesen von Thilo Sarrazin und überlegte im Verlauf der Debatte gar, in die Türkei auszuwandern. In Kolumnen schreibt Akyün gegen Ausgrenzung an und berichtet aus ihrem Leben als selbstbewusste Frau, deren Herz deutsch und Seele türkisch seien, wie sie sagt. Für ihr Engagement wurde sie mit diversen Integrationspreisen ausgezeichnet.