Die Jungbäuerin Uschi in Matti Bauers Dokumentation "Still" © Zorro Filmverleih

"Ja, Bauer. Die Zeiten haben sich geändert", sagt die Mutter in der Dokumentation Still in die Kamera. "Es ist nicht so, dass wir unbedingt Kühe haben müssen. Wir können auch von etwas anderem leben." Gleich zwei Dokumentarfilme, die sich mit dem Berufsstand des Bauern beschäftigen, kommen jetzt ins Kino. Matti Bauers Still und Tobias Müllers Sauacker.

Still mit seinen Schwarz-Weiß-Bildern hat eine fast klassische Anmutung, seiner vermeintlich kargen Ästhetik ist eine idealisierte Schönheit zu eigen, die stets Gefahr läuft, die beschwerliche Arbeit des Bauern zu romantisieren. Das ist vielleicht der markanteste Unterschied zu Müllers nüchternem Film, der sich schon im grantelnden Titel Sauacker ausdrückt.

Die Sehnsucht nach ursprünglicher Lebensart, die gestresste Städter seit einigen Jahren beschäftigt (und den Boom von kuriosen Lifestyle-Publikationen wie Landlust oder Muh erklärt), kommt also langsam auch im Kino an. Interessanterweise versucht keiner der beiden Filmemacher, das drängende Versprechen eines Zeitgeistes einzulösen. Eher schon wirken Still und Sauacker wie die logische Fortsetzung des Neuen Heimatfilms, auf den sich im vergangenen Jahr schon Edgar Reitz mit Die andere Heimat bezog. Den Regisseuren Bauer und Müller geht es nicht um Folklore oder die Verklärung eines naturverbundenen Lebens, sie beschreiben Übergänge: zwischen überholten und zeitgemäßen Formen der Bewirtschaftung und zwischen den Generationen.

"Jeder ist der Schmied für sein Glück" auf den Unterarm tätowiert

Im Mittelpunkt beider Filme stehen die Kinder. Über einen Zeitraum von zehn Jahren hat Matti Bauer in Still die Bauerntochter Uschi und ihre Familie begleitet. Tobias Müller hat für Sauacker zwei Jahre mit der Familie Kienle verbracht. Das Format der Langzeitdokumentation ist durchaus sinnfällig für ein Metier, das sich an den Jahreszeiten orientiert. In der Landwirtschaft wird halt langfristig geplant.

Seit 1725, erzählt der Jungbauer Philipp in Sauacker, sei der Hof am Rande der Schwäbischen Alb in Familienbesitz. Mit ihm geht der Betrieb in die zehnte Generation über. "Jeder ist der Schmied für sein Glück" hat er sich neben die Jahreszahl auf den Unterarm tätowiert. Zu seinem 30. Geburtstag will er den Hof endlich vom Vater, der dem notwendigen Wandel kritisch gegenübersteht, übernehmen.

Die Realitäten sind nicht mehr zu leugnen. Philipp hat drei Jobs, um Hof und Eltern zu finanzieren. Der Maschinenpark ist veraltet, die Schweinezucht rentiert sich kaum. Für einen neuen Kredit will die Bank nun ein tragfähiges Geschäftskonzept sehen.

"Man braucht ein ganz großes Stück Passion, wenn man so etwas betreiben will", sagt Vater Konrad einmal mit einem bitteren Lachen. Zusammen mit seinem Sohn versucht der unverwüstliche Landwirt, den Hof instand zu halten. Es ist eine elende Sisyphosarbeit. Die Passion kann da leicht in Obsession umschlagen, 16-Stunden-Arbeitstage sind für Philipp keine Ausnahme. Seine Freundin Manuela, die ein Kunststudium dem Leben auf dem Land vorziehen würde, beobachtet die Entwicklung mit wachsender Sorge.