Eine Gebirgslandschaft in Eis und Schnee. Eine Instrumentalversion von Nothing else matters. Die Kamera nimmt an Fahrt auf, und verweilt dann kreisend an einem Gletscher. Kurze Zeit später (oder viel später? Raum- und Zeitgefühl gehen in diesem Film als Erstes verloren) legt sich per Überblendung das Bild einer Frau über die Landschaft: Zusammengekauert und frierend sitzt sie da, die Arme um den Körper geschlungen. 

Die Eröffnungssequenz von Die innere Zone nimmt den Begriff des nuklearen Winters wörtlich. Sie deutet außerdem die zentralen Themen dieses ehrgeizigen Films an: lebensfeindliche Umweltbedingungen, psychische Desorientierung und der prekäre Wirklichkeitsstatus virtueller Welten. Zugleich enthüllen sich hier auch schon die großen Schwächen dieses entschleunigten Science-Fiction-Dramas: So wie die statische Aufnahme der Frau ziemlich zusammenhanglos über den dynamischen Naturbildern schwebt,  schafft es auch Die innere Zone nicht, ihre vielen verschiedenen Aspekte zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.   

Ein greisenhaftes Kind und eine Krankenschwester

Zunächst scheint die Desorientierung des Zuschauers gewollt, schließlich geht es der Hauptfigur keinen Deut besser. Die Psychologin Marta (Jeannette Hain) erhält den Auftrag, in einem wegen austretender Dämpfe evakuierten Bergdorf nach drei dort verbliebenen Wissenschaftlern zu suchen, die allesamt "Symptome zeigen". Dort angekommen, sieht sie sich mit einem verstörenden postkatastrophalen Szenario konfrontiert. Bis auf ein greisenhaftes Kind und die junge Krankenschwester Natascha (Lilli Fichtner) ist der Ort menschenleer. Die Wissenschaftlerin bewegt sich zwischen verlassenen Prachtbauten und provisorischen Behausungen aus Plastikplanen, leeren Fässern und merkwürdig veralteten Computeranlagen.

Die surreale Atmosphäre wird noch unheimlicher, als Marta sich in das unterirdische Tunnelsystem begibt, aus dem die alarmierenden Dämpfe entwichen sind. Schon bald kann auch sie Realität und Halluzination nicht mehr unterscheiden. Immer wieder tauchen Bilder vor ihr auf, deren Herkunft unbekannt ist: ein Jahrmarkt, Marta mit einem kleinen Jungen, im unwirklich leuchtenden roten Kleid, als sei die Filmrolle mit Leuchtfarben angemalt.

Dieses Kleid wird zum Hinweis, zu einem der wenigen Orientierungspunkte im Vexierspiel der Bilder: Immer wenn Marta es trägt, findet ein Zeitsprung statt. Wir befinden uns nun in ihrer Erinnerungs- oder Fantasiewelt, sehen "Echos", wie Marta sie nennt. Sind es Effekte der "atomaren Bildstörung des Gehirns", von der ihr die Wissenschaftler berichten? Und geht es hier überhaupt um die Folgen einer Reaktorkatastrophe, oder vielmehr um die Erforschung der "inneren Zone", des menschlichen Geistes?