Es gibt ja so ein paar Begriffe, mit denen man aus gutem Grund vorsichtig sein sollte. "Sexistisch" gehört wahrscheinlich dazu, "diskriminierend" ebenfalls, und eben auch: "rassistisch". Vorsicht ist dabei nicht allein deshalb geboten, weil sie als Hinweis auf einen vermeintlichen Mangel an Political Correctness leicht als sogenanntes Totschlagargument missbraucht werden, sondern vor allem, weil ihr inflationärer Einsatz sie beliebig werden lässt, ihnen die Kraft raubt für Fälle, in denen sie wirklich gebraucht werden. Bei Monsieur Claude und seine Töchter aber kommt man leider kaum darum herum: Diese Komödie macht sich nicht über rassistische Vorurteile lustig, sie hat selbst ein Rassismusproblem.

Worum geht es im erfolgreichsten französischen Film seit Ziemlich beste Freunde? Das dramaturgische Setting ist so schauerlich wie simpel: Claude und Marie Verneuil, ein gut situiertes Ehepaar im Pensionsalter, führt in einer Kleinstadt an der Loire ein beschauliches Leben zwischen katholischer Kirche und Coq au vin. Ihr ganzer Stolz sind ihre vier schönen Töchter, die auch bereits beginnen, sie mit Enkelkindern zu beglücken. Doch etwas trübt die Freude: Ihre drei Schwiegersöhne sind ein Chinese, ein Araber und ein Jude. Ein hartes Schicksal für Madame und Monsieur, die unter dem Ausbleiben christlicher Trauungen ebenso leiden wie dem Anblick ihrer Enkelkinder. Mit gramgebeugtem Fatalismus haben die beiden die unliebsamen Entwicklungen bisher hingenommen, doch als ihre Jüngste auch noch einen Schwarzafrikaner als zukünftigen Bräutigam präsentiert, gerät ihr psychisches Gleichgewicht endgültig aus der Balance.

In Frankreich hat Monsieur Claude und seine Töchter vor Kurzem die Zehn-Millionen-Zuschauer-Marke geknackt und gehört damit zu den zehn meist gesehenen französischen Filmen aller Zeiten. Wie lässt sich dieser überragende Erfolg erklären? Ein Schauspielensemble voller Energie – ja. Eine Generationenkomödie sei es, die daher für alt und jung, männlich und weiblich Identifikationsfiguren biete, wurde außerdem gemutmaßt.

Gerade im Vergleich mit Ziemlich beste Freunde scheint jedoch ein anderer Punkt ausschlaggebend: Auch Monsieur Claude und seine Töchter lässt tief in der französischen Gesellschaft verankerte Gegensätze aufeinanderprallen, um sie schließlich geläutert zu versöhnen. Bourgeoisie und Banlieue, Paris und Provinz, traditionelles und modernes Frankreich, schwarz und weiß – am Ende haben sie sich doch noch lieb, darauf kann man sich als Zuschauer verlassen. Und so ist es wohl dieses wohlig-weiche Gefühl der Geborgenheit in einer Komödienstruktur, die noch jeden Konflikt (und sei es das ganz offene Entsetzen ob der Hautfarbe und Herkunft einer Person) in federleichtes Wohlgefallen auflösen wird, das so viele Menschen ins Kino lockt.