Drei junge Leute auf einem Roadtrip quer durch Amerika, von Massachusetts nach Kalifornien: Der Abschied ist von Anfang an in die Reise eingeschrieben, und sieht dann doch ganz anders aus, als die melancholisch gefärbten Anfangsszenen vermuten lassen. Eigentlich wollen die MIT-Studenten Nic und Jonah Nics Freundin Haley nur zu ihrem neuen Studienplatz begleiten. Doch dann lassen sie sich vom direkten Weg abbringen, womit im Kino meist der Horror beginnt. Fern der Zivilisation einem Impuls zu folgen ist hier selten eine gute Idee und führt meist zu Begegnungen mit zwielichtigen Gestalten und psychopathischen Monstern. Wer in The Signal einen Slasher-Film im Stil von Wolf Creek oder Texas Chainsaw Massacre erwartet, liegt falsch.

Die Signale, die von diesem Film ausgehen, locken den Zuschauer immer wieder in die falsche Richtung. Aus dem Highschool-Abschieds-Film wird ein Horrorfilm mit Blair-Witch-Appeal, der sich alsbald als Science Fiction entpuppt. The Signal funktioniert wie eine Matrjoschka-Puppe, aus der sich immer neue Filme herausschälen, als würde der Film beständig sein Genrekleid ablegen, um sich ein neues überzustreifen.

Es geht weniger um Feinde von außen, als um Dämonen im Innern 

Der Film des Kameramanns William Eubank gehört zu einer Reihe von Low-Budget-Science Fiction-Produktionen, die derzeit mit wenig Geld viel Unruhe stiften. So wie Enemy von Denis Villeneuve, in dem Jake Gyllenhaal beim Sehen eines Films einen Doppelgänger entdeckt, wie Another Earth von Mike Cahill, in dem Brit Marling an dem Tag, an dem im Sonnensystem eine zweite Erde entdeckt wird, einen tödlichen Unfall verursacht. Oder Moon von Duncan Jones, in dem Sam Rockwell als Astronaut in der Raumstation auf eine geklonte Version seiner selbst trifft.

In all diesen Filmen geht es nicht um sensationelles Getöse, sondern eher um ein leises Raunen, weniger um Feinde von außen, als um Dämonen im Innern. Auf immer neue Weise loten diese Filme auch die eigene Wahrnehmung aus, die in den Zeiten der digitalen Reizüberflutung immer unzuverlässiger wird. 

Schon Eubanks Debütfilm Love lebte von der Unsicherheit über den Geisteszustand seines Helden, eines Astronauten, der nach sieben Jahren auf einer internationalen Raumstation den Kontakt zur Erde verliert. Auch hier stellte sich schnell die Frage, ob die Bedrohung real ist oder nur eine Ausgeburt seines schleichend wachsenden Wahnsinns. Gedreht hatte Eubank damals mit einem minimalen Budget von 500.000 Dollar, die Sets für die Raumstation und die Bürgerkriegsszenen baute er im Garten seiner Eltern mit Materialien, die er auf Schrottplätzen zusammensammelte.

Für seinen zweiten Film hatte Eubank zwar ein erheblich größeres Budget von rund vier Millionen Dollar zur Verfügung, dennoch waltet auch hier noch dieselbe kreative Lust daran, aus dem Nichts beunruhigend futuristische Welten zu erschaffen. Statt den Zuschauer mit Überwältigungskino zu überrumpeln, sät er eine diffuse Unruhe, das schleichende Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. 

Das titelgebende Signal kommt aus dem Computer und erreicht die Jugendlichen im Auto. Schon am MIT hatten sie Ärger mit einem ominösen Hacker namens Nomad, der das Computersystem der Universität infiltriert hatte. Nun lassen sie sich von seinen Sirenengesängen aus dem Netz auf Abwege locken. Während die Jungs die Herausforderung arglos annehmen, mahnt Haley zur Vorsicht. Spätestens als auf dem Computer Überwachungsbilder aus ihrem Motelzimmer erscheinen, wird die allgegenwärtige Präsenz des Hackers unheimlich. Trotzdem folgen die drei dem Signal in ein heruntergekommenes Betonhaus voller Computerzubehör im Nirgendwo der amerikanischen Landschaft. In schummrigem Licht stolpern sie durch die Räume, verlieren die Orientierung und irgendwann das Bewusstsein, wobei die hektisch verwackelten Bilder an die unscharfen Handykamerabilder vom Weltuntergang in Cloverfield erinnern.