Man mag es ob der illustren Hollywoodbesetzung vielleicht kaum glauben, aber: Dieser Film ist eine kleine Provokation. Und das gleich in doppelter Hinsicht. Erstens, weil er, selbst ein Produkt der Filmindustrie, fröhlich die Freuden von Low-Budget-Produktionen und ihres digitalen Direktvertriebs propagiert. Zweitens, weil er sich an kaum eine Erzählkonvention üblicher Liebeskomödien hält.

Das beginnt schon damit, dass Can A Song Save Your Life? gleich drei verschiedene Filmanfänge zeigt (auch deshalb heißt das Original sinnigerweise Begin Again). Das Geschehen ist dabei stets identisch: In einer Bar bittet der Folksänger eine Freundin auf die Bühne. Sie schreibe schließlich auch Songs, also sei das doch eine großartige Idee? Nein, eine super beschissene Idee sei das, entgegnet sie. Singen wird sie dann doch. Es ist ein ruhiges, anklagendes Liebeskummerlied, im Stil von Alanis Morissettes’ You Oughta Know, nur die Wut ein bisschen verhaltener. Nach dem Auftritt bleibt der Applaus dürftig, und die junge Frau im übergroßen Strickpullover setzt sich ganz unglamourös wieder auf ihren Platz.

Etwas Spektakuläres ist also eigentlich nicht geschehen. Zur Schlüsselszene wird das Ganze erst in der zweiten und dritten Wiederholung. Denn die beiden folgenden Versionen zeigen alles jeweils noch einmal aus anderer Perspektive: Erst aus jener der Sängerin, dann durch die Augen eines der Zuschauer (oder besser: durch seine Ohren.) Für beide bildet der Abend in der Bar das Ende eines katastrophalen Tages: Gretta (Keira Knightley) wurde von ihrem Freund verlassen, dem der Ruhm eines Plattenvertrags zu Kopf gestiegen ist. Dan (Mark Ruffalo), geschiedener Vater mit Alkoholproblem, von seiner ehemals eigenen Firma gefeuert. Dass beide in der Bar landen, ist natürlich nur Zufall. Oder doch Schicksal?

Dan, bis zu seiner abrupten Kündigung noch Musikproduzent, ist hin und weg von Grettas Song. Natürlich. Und er bietet ihr tatsächlich an, sie groß rauszubringen, wenn sie nur bloß ihren Look etwas in Richtung Norah Jones ändere. Gretta hat dafür nur ein verächtliches Lachen übrig, sie glaubt an Authentizität, und berühmt werden ist ihr ja sowas von egal.

Dass die beiden dann doch noch ein Album zusammen aufnehmen, und zwar auf ihre ganz eigene, unkonventionelle Art: klar. Dass sich zwischen ihnen irgendwann ein love interest andeutet, und auch Grettas Verflossener noch einmal auftaucht: ebenfalls geschenkt. Das Besondere ist dabei aber, dass sich der Film dennoch nicht den bekannten narrativen Mustern fügt. Er inszeniert das Kennenlernen der beiden zwar als entscheidenden Moment, jedoch ohne danach einen zielgerichteten Ritt ins Happy End zu inszenieren.

Denn anstelle teleologischer Glätte präsentiert Can A Song Save Your Life? einen eher holprigen Hürdenlauf, in dem eben nicht jedes mögliche Liebesglück verwirklicht, nicht auch die letzten beruflichen Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Manch narrativer Pfad darf hier wohltuend unbehauen bleiben.