Die Zukunft hat‘s auch nicht leicht. Google zum Beispiel, die Machtmaschine mit dem knallbunten Logo, will uns doch nur den Weg ins Übermorgen planieren. Autos fahren darin ohne Lenkrad. Kameras machen Privates öffentlich. Körperscanner checken unser Blut. Algorithmen übernehmen das Denken. Alles zum Wohle der Menschheit, denkt man in der Zentrale. Doch statt kollektiver Freude über die Fürsorge setzt es unaufhörlich Kritik. Und wenn Google News nun auch noch Nachrichten maschinell generiert, kommt sie sogar von Jan-Eric Peters.

Sein Arbeitgeber, die Axel Springer AG, treibt es von allen deutschen Verlagen zwar mit der Digitalisierung am weitesten. Gleichzeitig scheint ihr das gedruckte Wort längst so egal, dass sie ohne mit der Maushand zu zucken publizistische Keimzellen von Hörzu bis Abendblatt verhökert. Und Peters, Chefredakteur der verbliebenen Die Welt, findet, beim Inhalt, der hier natürlich Content heißt, ist wirklich mal Schluss. Den Erfolg seines Metiers, so Peters, "werden nicht Maschinen ausmachen". Sondern Menschen.

Sehr verschiedene Menschen. Und weil diese verschiedenen Menschen unterschiedliche Ziele haben, wenn es um die Perspektive der Zeitung an sich geht, sind ihnen Philippe Kiefer, Marie-Ève Chamard und Pierre-Olivier François um den halben Globus gefolgt. Das Resultat heißt Journalismus von morgen – die virtuelle Feder. Auf Arte konnte man das manchmal entsetzt, selten entzückt, stets staunend verfolgen. 

Digital Natives und analoge Platzhirsche

Auf der Suche nach dem "Journalismus von morgen" treffen die Filmemacher Umstürzler und Besitzstandbewahrer, besuchen kleine Lokalblätter und die internationale Presse, schauen Digital Natives über die Touchscreens, analogen Platzhirschen auf verkabelte Tastaturen, Medienwissenschaftlern in die Forschungsergebnisse.

Und wenn einer der renommiertesten – Michael Shapiro vom journalistischen Institut der New Yorker Columbia Universität – von "einem goldenen Zeitalter" schwärmt, in dem die gedruckte Zeitung allerdings keinen Platz hat, zeigt sich: Wann immer in dieser beispiellos gut recherchierten Reportage die Münze der medialen Gegenwart geworfen wird – sie landet selten auf einer Seite der Medaille, sondern zuverlässig auf der Kante.

Wie bei Le Monde: Drei Jahre, nachdem das Flaggschiff des französischen Qualitätsjournalismus seine jungen Onliner unter großen Qualen mit den alten Printreportern vereinigt hat, feiert man in Paris ein Fest der Synergie. Die tagesaktuellen Berichte landen in Echtzeit auf Notebook, Tablet oder Smartphone, die vertiefenden Hintergründe tags drauf im Blatt.

Dennoch betonen alle lässigen Start-upper mit schiefer Basecap, wie Springer-Chef Mathias Döpfner, einmütig: Entscheidend sei weniger der Datenträger. Es gehe darum, wer diese bestücke. Am Rande einer Verlegerkonferenz, wo allenfalls die Serviette zum Häppchen noch aus Papier ist, mag der Starblogger Jeff Jarvis also übers nahende Aus des "Journalisten" zu Gunsten des "journalistisch Handelnden" feixen. Sechs, sieben Milliarden davon, glaubt Robert Picard, werde es auch im Zeitalter dauernder Interaktivität nicht geben.