Ja, der dänische Film When Animals Dream verbindet die Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Protagonistin mit Gruselwesen-Horror. Zum Glück aber macht er das ganz anders als die tugendhaften paranormal romances von der anderen Seite des Atlantiks. "Ich verwandele mich gerade in ein Monster", sagt hier die junge Marie, "vorher muss ich noch richtig viel Sex haben."

Geschichten von Vampiren, Werwölfen und Konsorten sind seit einigen Jahren fest in der Hand junger Frauen, wenn es dabei auch eine Liebesgeschichte zu erzählen gibt. In Romanen und Kinofilmen entbrennen jugendliche Heldinnen für gewissensgute Vampire oder melancholische Werwölfe. Die Moral ist oft plump. In Stephenie Meyers Twilight-Trilogie etwa steht der Flirt mit dem Unmenschlichen recht unverhüllt für die vermeintlich gefährlichen Triebe weiblicher Teenager.


Jonas Alexander Arnbys When Animals Dream hingegen mischt seinen Mystik-Thriller mit düsterer skandinavischer Sozialstudie. Er erzählt die Geschichte der introvertierten Marie, die mit ihren Eltern an Dänemarks Nordküste lebt. Das Dorfleben, das wird schnell klar, ist hier alles andere als gemütlich. Die Wolken dräuen am grauen Himmel, grau sind auch die Gesichter der Menschen. Sie arbeiten an den Fließbändern der Fischfabrik, wo neue Kollegen zur Begrüßung in einen Trog mit Innereien gestoßen werden.


Ansonsten gibt es karge Landschaft und Schweigen. Maries Mutter dämmert, durch eine sonderbare Krankheit umnachtet, im Rollstuhl vor sich hin. Über allem liegt ein Gefühl wie Lebendigbegrabensein. Bis Marie an sich selbst Symptome entdeckt: Haare wachsen dort, wo sie nicht hingehören, die Fingernägel sind blutunterlaufen, sie wird aggressiv. Bald gibt es Tote.

Man muss nicht lange rätseln, um Maries Verwandlung zum Werwolf zu deuten: als Wunsch nach Ausbruch aus lähmender Kleinbürgerlichkeit und einem Alltagsmachismo, der sich an der Grenze zur Gewalt bewegt – und diese auch überschreitet. Das Töten beginnt, als Marie selbst bedroht wird. Klar hat sich Arnby hier von Stephen Kings Carrie inspirieren lassen. Maries Morden ist aber auch ein werwölfisches Wüten gegen die männliche Repression, eine Machtumkehr mit den Mitteln paranormaler Gewalt.