Legalize it. Nicht nur das ZDF hat derzeit ein Akzeptanzproblem, zumindest was Rankings per Zuschauervotum angeht. Zu frisch ist noch die Erinnerung an den Skandal um Deutschlands Beste, als dass man nicht besonders genau hinschauen würde, wie so eine Abstimmung über die Zukunft einer Serie aktuell durchgeführt wird – und sei es nur bei so einem kaum wahrnehmbaren Minderheitensender wie ZDFneo.

Dort haben gerade drei Pilotfolgen um die Gunst des internetaffinen Publikums gebattled. Per Mausklick konnte man entweder Blockbustaz – Willkommen in der Hood, Jetzt ist Sense – Best Buddy mit dem Tod oder der Alibi-Agentur – Bei uns sind ihre Geheimnisse sicher! seine Stimme geben. Um es  an dieser Stelle kurz zu machen. Das Rennen um das TV-Lab ist gelaufen. Mit 42.048 Punkten hat Blockbustaz vor der Sensenserie (8.495) und dem tragikomischen Fremdgehserial Alibi-Agentur (6.997). Wirklich gestandene Schauspieler wie Antoine Monot Jr. und Matthias Weidenhöfer können sich also schon mal nach neuen Jobs umschauen, denn am Ende winkt nur einem dieser drei Formate der Hauptpreis: Es darf in Serie gehen.

Für das ZDF ist das natürlich eine wunderbare Sache. Es erfüllt sich den Urtraum aller Medienmacher. Bevor man viel investiert schon Klarheit darüber zu haben, was der Zuschauer sehen will. Und der steht im Falle des ZDFneo-Publikums eher auf triste Kölner Plattenbauidylle mit leicht sprachbehinderten Tagedieben als auf ein sophisticated Schauspieler-Tragical à la Jetzt ist Sense und schon gar nicht auf die eher im konventionellen Vorabendstil daherkommende Alibi-Agentur-Charade.

Das Schöne an so einem öffentlichen Online-Voting ist ja, dass die Welt minütlich erklärt wird. So weiß ein Fan der Sensenserie, dass der "derzeitige Spitzenreiter doch nur von den pubertären Fans dieses Musikfreaks profitiert, die vermutlich massiv für ihn voten. Traurig, abartiger Trash…" Dieser Musikfreak, das ist der Mönchengladbacher Rapper Eko Fresh, der in Blockbustaz den Rapper Sol mit existenziellen Sorgen spielt. Ausgerechnet am 30. Geburtstag fordert ihn seine per Internet frisch verliebte Mutter Madita auf, das Hotel Mama mit Aussicht auf die Kölner Trabantensiedlung zu verlassen. 

Zusätzlich macht ihm seine Normalo-Freundin Jessica Stress, sodass als letzte Zuflucht Kumpel Hardy bleibt. Der wird von Ferris MC gespielt und versprüht in Unterhemd und eigener Siff-Pizzeria mit Drogenverticke in etwa den Charme von Charles Bukowskis Alter Ego Hank Chinaski, kurz bevor der sich immer übergeben musste. Gemeinsam werden Flaschen gezielt aus dem zehnten Stock am Container vorbeigeworfen, Porzellan zertrümmert, genüsslich Kanak Sprak zelebriert, Vorurteile politisch völlig unkorrekt und damit in dieser Zielgruppe also völlig korrekt eingesetzt, bevor der überkorrekte türkische Hausmeister, Herr Bulut, Sol eine Wohnung besorgt. Natürlich nur wenige Stockwerke unter Mamas alter Kaffeemaschine.

So wenig wie heute in der Pop-Musik jemand singen können muss, um Erfolg zu haben, ist in einer Serie wie Blockbustaz echtes Schauspielen nötig. Es würde vermutlich nur stören. Hier feiert eine Szene sich und ihr Lebensgefühl, was sich in Kommentaren wie "Hammer geilo" oder "Eko ist King" manifestiert, oder, ein wenig genauer: "Ein Pilot wie mit Kumpels auf'm Sofa kiffen: Figuren sind rund, Welt ist klar, Thema auch (mit 30 endlich erwachsen werden)…"