Joachim Fuchsberger – seit Jahrzehnten auch Blacky genannt – ist eine Fernseh-Legende, eine Kino-­Legende, eine Show-­Legende. Sein bewegtes langes Leben spiegelt bundesrepublikanische Mediengeschichte, nur eine Legende wollte er nicht genannt werden. Bis zuletzt war er umtriebig und unternehmungslustig und neugierig auf die Menschen. Er freute sich vor allem, wenn dieses Publikum – "sein" Publikum – jung war. Oft ging es dann um seine Edgar­-Wallace­-Filme. Oft aber auch um Wertvorstellungen. Wenn er etwas weitergeben könne, dann fülle ihn dies aus, sagte er. Das sei seine "Droge der Kommunikation".

Joachim Fuchsberger war ein Mensch, der mit einer sehr festen eigenen Haltung durchs Leben ging. Seitdem er im Alter von nur 15 Jahren in den Krieg geschickt wurde, als Soldat in der Luftwaffe, und mit 18 Veteran und Überlebender des Zweiten Weltkrieges war, hatte er sich geschworen, "unabhängig zu sein, und nie wieder fremdbestimmt". Seine Erfahrungen brachte er denn auch in eine seiner wichtigsten Rollen ein, die des Gefreiten Asch im deutschen Antikriegsfilm 08/15 aus dem Jahr 1954. Mit dem Regisseur, Paul May, verband ihn fortan eine lebenslange Freundschaft. Danach, in den Jahren zwischen 1959 und 1972 wirkte er in mehr als einem Dutzend jener legendären Edgar-­Wallace­-Filme mit: in Der Frosch mit der Maske (1959), Der schwarze Abt (1963) oder Im Banne des Unheimlichen (1967). Fuchsberger spielte stets den Guten, meist den für Scotland Yard Ermittelnden, der dann Richard Gordon oder Dick Alford oder Inspector Higgins hieß. Fuchsberger war hier stets der positiv konnotierte Held. Ein Frauenschwarm auch. Daraus hätte durchaus eine internationale Karriere werden können. Und es kamen schließlich Anfragen aus Hollywood. Doch er lehnte ab – wie stets in enger Absprache mit seiner Frau Gundel – wegen der vielen Zwänge des US-Studiosystems.

Als er 1972 bei den Olympischen Sommerspielen in München als Stadion­-Chefsprecher im Glaskasten am Mikrofon saß, kam ihm dieselbe Unbeirrbarkeit zugute: Fuchsberger erhielt während der Abschlussfeier die Nachricht, dass ein entführtes Flugzeug mit Kurs auf München fliege. Ein Terroranschlag? Zehntausende Menschen befanden sich im Stadion und er musste in kürzester Zeit entscheiden, was zu tun ist. "Ich hatte Angst vor der Entscheidung, die man mir übertragen hat: Ob ich das Stadion räumen lasse oder nicht", erzählte Fuchsberger später. Kurz zuvor war das Olympische Dorf überfallen worden. "Wenn ich in dieser Situation die 75.000 Menschen aufgefordert hätte, das Stadion so schnell wie möglich zu verlassen, dann kann man sich vorstellen, was passiert wäre." Er entschied sich dagegen. "Ich wäre für den Rest meines Lebens nicht mehr froh geworden, wenn dort unten totgetrampelte Menschen gelegen hätten, obwohl gar nichts passiert wäre."

Herausforderung im Fernsehen

Mit dem Kinderkinofilm Das fliegende Klassenzimmer beendete Fuchsberger 1973 seine Schauspielkarriere und ging zum Fernsehen. Er wurde Talkmaster und moderierte schließlich, neben 300 Sendungen der Talkshow Heut' abend (1980-1991), auch 60 Ausgaben der großen ARD-Samstag­abend­-Show Auf los geht's los (1977-1986).

Es war ihm eine reizvolle Herausforderung: "Von einem geschlossenen Filmstudio in das Wildwasser der Live-­Fernseh­-Unterhaltung einzusteigen, dabei hat sich manch einer das Genick gebrochen. Sie stehen alleine vor Millionen von Menschen und werden gefordert, zu jeder Situation das Bestmögliche zu sagen. Das gelingt nicht immer", sagte er einmal.

In seine Show kamen so namhafte Gäste wie Sean Connery und Peter Ustinov oder sein Freund und Wallace­-Partner Klaus Kinski. Sein eigener Auftritt im weißen Nachthemd als Wetteinlösung für Wetten, dass ...? machte hingegen ebenso Furore, wie er mit angeblich verbalen Fehlgriffen zunehmend Kritik erntete. "Dabei war mein Nachthemd damals ein züchtiges Bauernhemd, das bis zum Boden hing", sagte er. Doch 1983 war solch ein Auftritt völlig inakzeptabel. Als die Kritik zu heftig und verletzend wurde, trat er ab, beendete die Show und zog sich mit seiner Frau in seine zweite Heimat Australien zurück.