Die weibliche Emanzipation ist ein modernes Megathema des Films. Emotionale, aber starke Frauen im Sog männlicher Einflussgebiete – so holt man Heimchen wie Karrieristin vor den Bildschirm. Dort sehen sie eine Welt, in der selbst gute Mädchen nicht nur in den Himmel kommen, sondern überall hin: Management, Lehrstuhl, Barrikade, Selbstständigkeit, Politik. Alles mit Herz, Hirn, High Heels, Haushaltshoheit. Und nun also hierher.

Bundeskanzleramt.

Sat.1 hat sich seine Regierungschefin nach einem Schnittmuster der Petra gebastelt: Das Haar goldblond, makellos der Körper, im Auftreten feminin und doch kernig – die Kanzlerin des früheren Kohl-Kanals ist sexy und kompetent, sympathisch und machtbewusst, schlagfertig und resolut, lustig und seriös, häuslich und weltgewandt, mondän und sportlich, mode- und fußballinteressiert. Kurz: Anna Bremer ist fernsehperfekt. Sie ist: Veronica Ferres.

Darauf muss man erst mal kommen.

Die Neovolksschauspielerin hat nämlich in ihren geschätzt 875 Filmen mit gefühlt 3,5 Ausnahmen bislang nur eine Rolle verkörpert: das waidwunde Muttertier im Kampf ums Gelege. Und jede davon variiert sie mit exakt drei Mimiken: trotzig, liebevoll, verletzlich.

In Die Staatsaffäre ist sie nun ein schicker Single Ende 40 ohne Kinder, aber mit dem höchsten Amt im Lande. Zu Beginn des "großen TV-Events", wie bei Sat.1 alles heißt, was nicht mit Laiendarstellern produziert wird, bringt sie gleich mal eine staatstragende Pressekonferenz abwechselnd mit Faktenwissen über die Energiewende zum Staunen und charmanten Sprüchen zum Lachen. Dann aber steuert sie zielstrebig auf den Titel dieser selten freiwillig komischen Komödie zu: Frankreichs neuer Präsident erweist sich nämlich als One-Night-Stand vom Abend des Mauerfalls, was zu amourösen Verwicklungen im Umfeld eines europäischen Energieabkommens führt und … wem an diesem Punkt noch nicht der Kaffee aus den Nasenlöchern schießt, zählt entweder zum Sat.1-Stammpublikum.

Oder hat keinen Kaffee im Mund.

Denn dusseliger, plumber, aufdringlicher als in Die Staatsaffäre wurde der letzte Nerv anspruchsvoller Zuschauer seit Erfindung Til Schweigers nicht mehr geraubt. Veronica Ferres, das zeigt sich bereits nach ihrem allerersten Grinsen, ist nicht nur für jede Filmrolle ohne Mutterpass ungeeignet; sie ist als Schauspielerin generell ein Verriss ihrer selbst. Und weil das offenbar auch dem Autor Don Bohlinger, Urheber von Machwerken wie Popp dich schlank, klar war, fällt nach 5:28 Minuten erstmals das Family-Entertainment-Wort schlechthin, eine Art Ferres-Code: Kinder. Denn um deren Zukunft, sagt die Fantasiekanzlerin da aus dem Drehbuchbausatz für empathische Politiker, gehe es doch.