Der von ARD und ZDF geplante Jugendkanal wird anders als geplant nur im Internet zu empfangen sein. Ein eigenes Angebot in Radio und Fernsehen soll es nicht geben. Das haben die Ministerpräsidenten der Länder bei ihrer Konferenz in Potsdam nach monatelangem Streit beschlossen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten ursprünglich einen Multimedia-Auftritt für 14- bis 29-Jährige in Fernsehen, Radio und im Netz geplant. Doch dagegen hatte es in einigen Bundesländern Widerstand gegeben. Für das neue Online-Angebot werden der ARD-Digitalkanal EinsPlus und ZDFkultur eingestellt.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte, die Entscheidung sei "ein guter Kompromiss". Für ARD und ZDF sei das die große Chance zu zeigen: "Wir sind auch jung und machen es mal ganz anders", sagte Dreyer. 

Einige Regierungschefs wollten den Jugendkanal verhindern

Vor allem die Unions-geführten Länder Sachsen, Bayern und Hessen hatten sich gegen das ursprüngliche Konzept der Öffentlich-Rechtlichen gewehrt. Schon einmal war die Entscheidung deshalb auf der Ministerpräsidentenkonferenz vertagt worden. Dreyer erklärte, es habe auch Regierungschefs gegeben, die das Projekt gar nicht wollten. Andere wollten ein zeitgemäßes Angebot, das vom Internet ausgehe. Angesichts dieser schwierigen Ausgangslage sei die Entscheidung ein Durchbruch, sagte Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU).

Die Intendanten von ARD und ZDF nahmen die Entscheidung zur Kenntnis, wenn auch mit Widerwillen. Der Intendant des NDR und ARD-Vorsitzende Lutz Marmor sagte: "Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten haben ARD und ZDF ausdrücklich beauftragt, ein zusätzliches Angebot für unter 30-Jährige zu entwickeln. Zukunftsweisend ist dabei, dass die Beschränkungen im Internet wegfallen." Dass es kein eigenes Programm im Fernsehen geben wird, erschwere allerdings den Start, sagte Marmor. "Aber wir werden alles daran setzen, gemeinsam mit dem ZDF ein gutes Angebot im Netz zu entwickeln."

ZDF-Intendant Thomas Bellut nannte das Votum der Regierungschefs einen Ansporn, noch mehr Angebote für junge Zuschauer zu machen. Dagegen machte der bei dem Projekt federführende SWR-Intendant Peter Boudgoust aus seinem Ärger keinen Hehl: Die geplante, konsequente Verschmelzung von Hörfunk, Online und Fernsehen sei ein "innovativer, multimedialer, durchdachter Ansatz" gewesen. Es werde "nun schwerer, das Jugendangebot zum Fliegen zu bringen", sagte Boudgoust.

Jugendkanal kostet 45 Millionen Euro jährlich

Das Projekt solle auch in dieser neuen Form 45 Millionen Euro pro Jahr kosten, sagte Dreyer. Die ARD soll 30 Millionen Euro übernehmen, das ZDF 15 Millionen Euro. Die Finanzierung sei bis 2020 gesichert und werde bis dahin auch keine weiteren Kosten bei den Gebührenzahlern verursachen, sagte Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD). 

Das neue Angebot soll auf Smartphone, Tablet und PC abrufbar sein. Dreyer sagte, der Online-Auftritt solle mit den bestehenden jungen Hörfunkwellen und Angeboten im Fernsehen vernetzt werden.