Der Nachmittag, an dem Kurt Landauer ins Stadion zurückkehrte, endete torlos. 0:0 trennten sich der FC Bayern München und der 1. FC Köln in einem Bundesligaspiel im Oktober 2009. So ereignislos die Partie blieb, so folgenreich sollte ein Banner werden, das der Münchner Fanclub Schickeriavor dem Anpfiff enthüllt hatte. Darauf zu sehen, riesengroß: das Konterfei des jüdischen Ex-Präsidenten Landauer, anlässlich seines 125 Geburtstags. Überschrieben mit dem markigen Satz "Der FC Bayern war sein Leben – nichts und niemand konnte das ändern!".

Das Banner gilt als Startschuss der BR-Recherchen über Landauer. Fünf Jahre später sendet das Erste nun den Spielfilm Landauer – Der Präsident mit Josef Bierbichler in der Hauptrolle. Eine krachlederne Hommage an jenen Mann, unter dem der heutige Rekordmeister 1932 seine erste von derweil zwei Dutzend Meisterschaften feierte und der wenige Jahre später im KZ Dachau nur knapp dem Tod entging.

Selbst die heutige Führungsriege des Vereins wusste lange nichts vom Schicksal des Ex-Präsidenten. "Ich habe von '74 bis '84 zehn Jahre für den FC Bayern gespielt", sagt etwa der Vorstandvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, "und in dieser Zeit ist mir der Name nicht einmal über den Weg gelaufen".

Landauer wurde als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in der Nähe von München geboren. Zunächst Spieler des FC Bayern, wurde er vor dem Ersten Weltkrieg Präsident des Clubs, führte ihn anschließend vierzehn Jahre lang, von 1919 bis 1933. Mit der Machtergreifung der Nazis verlor er das Amt und seine Arbeit bei einer Münchner Zeitung. Er landete im Konzentrationslager, durfte es als Teilnehmer des Ersten Weltkriegs aber nach rund 30 Tagen wieder verlassen. Seine Flucht in die Schweiz rettete ihm das Leben, vier seiner Geschwister fanden unter den Nazis den Tod.   

Hans Steinbichlers Fernsehfilm setzt ein, als Landauer 1947 ins zerstörte München zurückkehrt. Josef Bierbichler stapft durchs schwarz-weiße Archivmaterial, begleitet von orchestralem Schwulst. Schon hier zeichnet sich das Problem dieses wichtigen, gut gemeinten Films ab: Rührseligkeit liegt schwer auf den Szenen, das Porträt gerät zur überschwänglichen Heldenehrung.

Im siechenden Verein sieht man den heimkehrenden Landauer als Rettung. Zumal man sich im Kampf um die nötige Lizenz mit einem Juden an der Vereinsspitze höhere Chancen ausrechnet. Schließlich entscheiden die amerikanischen Besatzer, wer spielen darf. Fußball gilt ihnen als verrufen, als Hort von Gewalt und Rebellion. Landauer opfert sich fortan auf für seinen Club, wird wieder Präsident, steckt viel Geld in den Verein. Selbst die ersehnte Überfahrt nach New York schiebt er auf, vorher soll das Stadion fertig werden.

Nebenbei nimmt sich der Biopic-Landauer eines kickenden Jungen an, will ihm den indoktrinierten Judenhass austreiben. Dessen Vater, ehemaliger SS-Mann und ausgemachter Widerling, hält gewaltsam dagegen.