Von der wunderbaren Kompliziertheit des Verhältnisses von Film und Malerei erzählt auch Mike Leigh in Mr. Turner, über einen der großen Beeinflusser der Moderne, den Maler Joseph Mallord William Turner. Leigh sagt, es sei ihm dabei weniger um biographische Fakten als um den "Geist Turners" gegangen. Der wurde ihm zur Inspiration, und der Film setzt an vielen Stellen ganze Arbeiten von Turner in Bewegung: ein lichtdurchfluteter Raum, eine Fensterfront, davor vier Figuren, drei Frauen sehen dem Maler bei der Arbeit zu. Diesen Moment hielt Turner in der Bibliothek von Petworth House, dem Sitz eines seiner Mäzene, fest. Es ist nur eine Skizze, rasch hingetuscht mit Wasserfarben. Doch der Regisseur Leigh formte das Bild voller Andacht in seinem Film nach und erweckte die von Turner nur umrisshaft gesehenen Figuren zu neuem, filmischem Leben.

Wie atmosphärisch dicht und unglaublich detailgetreu Leigh Turners Werke in Szenen überträgt rühmten die Kritker nach der Premiere des Films in Cannes dieses Jahr. Dabei gehört das Nachempfinden der Malerei mit filmischen Mitteln zum Repertoire des Künstlerfilms. Auf die Spitze trieb es dieses Jahr bereits der Wiener Gustav Deutsch in seinem  Spielfilm Shirley – Visionen der Realität, in dem er dreizehn Gemälde von Edward Hopper minutiös nachstellt und als fortlaufende Geschichte imaginiert. Der Film spielt damit auf die Verbindung des filmbegeisterten Malers mit dem Kino an – mehrfach hatte Hopper sogar Kino-Innenräume gemalt.  Andererseits füllt Deutsch die Leerräume, die Hoppers Bilder so rätselhaft umkreisen, mit Geschichten und erweitert sie um die filmischen Dimensionen Zeit und Bewegung. In Das Mädchen mit dem Perlenohrring (2003) verwandelte auch Peter Webber Schöpfungen von Vermeer  in Kino-Bilder und spann – auf Basis der populären Romanvorlage von Tracy Chevalier – gleich noch eine Geschichte dazu. Und auch der neuere Film Renoir (2013) über den Maler Auguste Renoir und dessen Sohn Jean, den späteren Regisseur, schmiegt sich in seiner Bildfindung empathisch an die Werke des Impressionisten an.

Zu den aus dem Rahmen fallenden Künstlerfilmen zählte 1986 Derek Jarmans Caravaggio. Sicher, auch er fiktionalisierte die Lebensgeschichte des Malers, über dessen Biographie sowieso vieles im Dunkeln liegt, aber Jarman interpretierte und re-animierte die Bilder des Malers – und anderer Werke der Kunstgeschichte – neu und schuf nicht zuletzt einen hoch komplexen Film über das Sehen selbst. 

Wenn bildende Künstler die Vorstellungskraft von Filmemachern anregen, rückt meist ein – oft zur Passionsgeschichte stilisiertes – Privatleben in den Mittelpunkt, das jenseits der bürgerlichen Normen stattfand. Die Filme kreisen um Außenseitertum, Einsamkeit und Leiden. Schicksalsschwere, aus der komfortablen Distanz des Kinosessels betrachtet, mag faszinieren und die Identifikation mit Nicht-Eingestandenem erlauben. Sind die Künstler im Film keine Märtyrer, erscheinen sie in der Regel als heilige Monstren.

Beides sind für Schauspieler dankbare Rollen und so wurden etliche Biografien auch zu Star-Vehikeln: Charlton Heston gab einen heroischen Michelangelo in The Agony and the Ecstasy (1965), Isabelle Adjani litt in Schönheit als von Auguste Rodin ausgebeutete Bildhauerin Camille Claudel (1988), Daniel Day-Lewis erspielte sich 1989 in My Left Foot als körperbehinderter Maler Christy Brown seinen ersten Oscar. Anthony Hopkins gab in Mein Mann Picasso (1996) den grausamen Malerkönig und Salma Hayek erschien 2002 als leidende Kämpferin Frida Kahlo auf der Leinwand. Immerhin nahm der Graffiti-Künstler Banksy 2010 in Pseudo-Dokumentarfilm Exit through the Gift Shop die Künstler-Identität als Marke, die Mechanismen der Kunstwelt  und den für gewöhnlich hohen, mitempfindenden Ton des Künstlerfilms ironisch auf die Schippe.