Unter den bekannten Comichelden zählt die Figur des Batman sicher zu den widersprüchlichsten und interpretationsfähigsten Charakteren. Das zeigt sich vor allem, wenn man die Batman-Filme der letzten 25 Jahre ansieht. 1989 begann es mit dem durchgeknallten Batman von Tim Burton, dann folgte eine Reihe weiterer Folgen, die mit Batman und Robin 1997 in jeder Hinsicht ihren Tiefpunkt erreichten. Erst Christopher Nolan belebte 2005 mit seinen düsteren filmischen Interpretationen die Figur wieder und machte aus Batman einen Dark Knight, einen dunklen Ritter.

 

Die Serie Gotham (FOX), die in den USA als Höhepunkt der Herbstsaison gefeiert wird, versucht nun in serieller Form zu erzählen, wie Batman und seine Gegenspieler zu dem wurden, was sie sind. Der Comic-Verlag Marvel hatte im letzten Jahr mit Agents of S.H.I.E.L.D bereits gezeigt, wie die Welt der Avengers für das Fernsehen adaptiert werden kann. Nun ziehen DC Comics mit Gotham nach. Hierbei bedient man sich eines beliebten Comic-Erzähl-Modus': der des Prequels. 

In den Mittelpunkt stellten die Schöpfer um den Briten Bruno Heller (Rom, The Mentalist) eine Figur, die besonders in den letzten drei Nolan-Filmen eine zentrale Rolle spielte und auf wunderbare Weise von Gary Oldman verkörpert wurde: die des ehrenhaften Polizisten James Gordon. Zusammen mit seinem Partner Harvey Bullock (Donal Logue) bildet er das klassische Duo guter Bulle/böser Bulle. Gordon (Ben McKenzie) ist der neue Kollege im Gotham City Police Department. Er wehrt sich gegen die überall verbreitete Korruption, während sich sein Partner längst von den Schattenseiten Gotham Citys hat verderben lassen.

Eine verruchte Version des New Yorks der Siebziger

Es war eine kluge Entscheidung, Gotham als Polizeiserie zu erzählen, in der die künftigen Ikonen des Batman-Universums noch keine Hauptrollen spielen. In jeder Folge wird ganz klassisch ein Fall gelöst. Parallel entspinnt sich aber auch die Geschichte Bruce Waynes, der zukünftigen Schurken, der Stadt Gotham und ihrer Bewohner.

Natürlich gibt es bei Gotham keine Materialschlachten, wie man sie aus den Batman-Filmen gewohnt ist, dafür fehlte schlicht das Budget. Doch den Ausstattern der Serie ist es gelungen, eine Balance zwischen der klassischen Comic-Darstellung und den düsteren Bilderwelten der Nolan-Filme zu finden. Das Serien-Gotham ist eine dunkle und verruchte Version des New Yorks der siebziger Jahre, ohne dass es angestaubt wirkt.