Im mystischen Terminus könnte man sagen: Woody Allens Zahl ist die 8. Alle acht Jahre dreht der Regisseur ein Meisterwerk. 1997 Harry außer sich über einen Schriftsteller, der von seinen Romanfiguren verfolgt wird, 2005 Match Point, die bittere Abrechnung mit der britischen Upper Class. 2013 dann Blue Jasmine, der Weg einer High-Society-Lady in den sozialen und psychischen Abgrund. Die schlechte Nachricht. Nach dieser Vorhersage müssen wir erst sieben mittelprächtige Filme ertragen.

Etwas bemüht, diese Numerologie? Ungefähr so bemüht wie die Handlung von Magic in the Moonlight, Allens jüngstem Werk. Im Südfrankreich der zwanziger Jahre treffen die zuckersüße Amerikanerin Sophie (Emma Stone), die einer reichen Familie ihre Dienste als Medium anbietet, und der arrogante britische Star-Magier Stanley (Colin Firth) aufeinander. Stanley soll beweisen, dass Sophie eine Schwindlerin ist. Doch nach und nach glaubt er, dass sie tatsächlich übersinnliche Fähigkeiten besitzt. Was wird wohl passieren?

Magic in the Moonlight ist der traurige Tiefpunkt von Allens filmischer Europatournee. Schon Vicky Cristina Barcelona (2008), Ich sehe den Mann deiner Träume (2010), Midnight in Paris (2011) und To Rome with Love (2012) waren eher nostalgische Hommagen an die Drehorte als scharfe Konversationsstücke. Dennoch waren sie mit genug Woody-Allen-Witz geölt, dass man über ihre dramaturgischen Schwächen freundlich hinwegsehen konnte.

Diese Situationskomik vermisst man in Magic in the Moonlight. Das Drehbuch scheint sich eher nach den pittoresken Schauplätzen zu richten als nach plot points: das herrliche Anwesen der Familie Catledge, auf dem Sophie ihre Séancen hält, die berühmte Uferstraße Grande Corniche, auf der Stanley und Sophie eine Autopanne haben, das Observatorium mit der sich öffnenden Kuppel von Gustave Eiffel, in dem sie durchnässt die Sterne beobachten. Eine Szene übrigens, die Allen von sich selbst geklaut hat. In Manhattan flüchten Diane Keaton und er vor dem strömenden Regen ins New Yorker Planetarium.

Es ist nicht das einzige Selbstzitat in diesem Film. Zauberer und Magier sind wiederkehrende Motive bei Allen: der Hypnotiseur in Im Bann des Jade Skorpions, die Wahrsagerin in Ich sehe den Mann deiner Träume oder den Zauberer, den Allen in Scoop spielt. Natürlich ist es berechtigt, sich selbst zu zitieren, vielleicht kann man gar nicht anders, wenn man jedes Jahr einen Film dreht. Und doch beschleicht einen bei Magic in the Moonlight der Eindruck einer gewissen Lustlosigkeit. 

Man muss Allen jedenfalls eine große Portion Verehrung entgegenbringen, wenn man die vorhersehbare Handlung 98 Minuten lang durchhalten will. Natürlich verliebt sich Stanley in die Schwindlerin. Und natürlich ist er von der Echtheit ihrer Begabung so überzeugt, dass er sein komplettes Leben in Frage stellt. Und sogar die Existenz Gottes für möglich hält. Die Szene, in der Colin Firth zum Gebet ansetzt, ist tatsächlich die einzige, die einen kurzen Gänsehautmoment hervorruft.