Ein Wolfskopf prangt im Büro des SEK-Chefs an der Wand. Das Raubtier blickt auf dem Gemälde aus blutroten Augen, bedrohlich fletscht es die Zähne. Darunter zwei knappe Worte: "Wir siegen". Ein Kampfspruch.

Das Bild sagt viel über das Selbstverständnis jener Männer, die im Mittelpunkt des Thrillers Wir waren Könige stehen. Das "Spezialeinsatzkommando" zählt zur Polizei, man selbst versteht sich allerdings als Elite-Einheit mit eigenen Gesetzen. Im holzvertäfelten, schaurig biederen Besprechungsraum hängt ein Zettel, darauf noch so ein Satz, gerichtet an jeden von außerhalb: "Wir sind das, was ihr am Computer spielt." An der Wand daneben ein Sturmgewehr, ausgestellt wie eine wertvolle Plastik.

Der Regisseur Philipp Leinemann taucht mit seinem Spielfilmdebüt ins Innere einer Truppe ein, deren Erfolg sich auf Verschwiegenheit gründet und auf einem starken Zusammenhalt. Leinemann zeigt in seinem auch ästhetisch erfreulich mutigen Werk, was geschieht, wenn dieser Zusammenhalt Risse bekommt, wenn Fehler begangen und vertuscht werden, wenn moralische Zweifel keimen.

Am Anfang steht ein missglückter Einsatz: zwei Tote, ein Flüchtiger, dazu ein schwer verletzter Polizist. Gruppenleiter Mendes (Mišel Matičević) muss zum Rapport, der SEK-Chef (gewohnt gnadenlos: Thomas Thieme) macht ihm deutlich: Die Luft wird dünner, weitere negative Schlagzeilen könnten das Ende der Einheit bedeuten.

Als kurz darauf zwei der eigenen Männer erschossen aufgefunden werden, schlägt die anfängliche Trauer schnell um in Rachegelüste. Die Jagd auf den Mörder folgt nun nicht mehr dem offiziellen Weg, Selbstjustiz ist angesagt. Bald schon treten SEK-Stiefel nachts im Wald auf einen Tatverdächtigen ein.

Philipp Leinemann schrieb auch das Drehbuch zu seinem Film. Er profitierte dabei von persönlichen Freundschaften zu jenen Männern, die sich selbst fast zärtlich "SEKies" nennen. So war es den Schauspielern überhaupt erst möglich, mit den Spezialkräften über ihre tägliche Arbeit zu sprechen und unter ihrer Anleitung zu trainieren, etwa das Stürmen einer Wohnung.

Prägend sei schon ihr Auftreten gewesen, erinnert sich im Gespräch Ronald Zehrfeld, der den SEK-Gruppenleiter Kevin spielt. "Es ist beeindruckend, was für ein Gespür für mögliche Gefahrensituationen die haben, wie wach sie sind. Dass bestimmte Manierismen schon in deren Körperlichkeit übergegangen sind." Mišel Matičević ergänzt: "Das sind Adler. Dagegen sind wir Spätzchen. Die strahlen eine unglaubliche Ruhe aus."

Im Film erscheint die Elite-Truppe keineswegs idealisiert, sondern als testosteronsatter Männerbund mit all seinen Abgründen. Dass Polizisten in Wohnungen von Muslimen neuerdings die Schuhe ausziehen sollen? Für die SEK-Leute ein schlechter Witz. Die Kollegin auf Streife bekommt zu hören, sie solle sich bloß nicht auf ihrem Sonderstatus als Frau ausruhen.