Aaron Sorkin findet die schauspielerische Leistung von Jennifer Lawrence in Silver Linings nicht besonders beeindruckend. Dass sie damit einen Oscar gewonnen hat, zeige nur, wie niedrig das Niveau unter Schauspielerinnen sei, findet der namhafte Drehbuchautor und Produzent. Generell seien männliche Rollen schwerer zu spielen als weibliche: "Jahrein, jahraus muss der Mann, der den Oscar gewinnt, eine viel höhere Latte nehmen als die Frau", schrieb Sorkin weiter in einer persönlichen E-Mail an die New-York-Times-Journalistin Maureen Dowd, die in einem Meinungsstück vom März dieses Jahres die Ungleichheit der Geschlechter in der amerikanischen Filmbranche thematisiert hatte. 

Sorkins Nachricht, die wohl niemals die Öffentlichkeit erreichen sollte, ist Teil der Daten, die im Zuge des Hackerangriffs auf Sony Pictures Entertainment (SPE) genau dorthin gelangten, und die auch ZEIT ONLINE ausgewertet hat. Andere E-Mails zeigen, dass Lawrence und Kollegin Amy Adams für ihre Rollen in American Hustle beide auffällig weniger am Umsatz des Filmes beteiligt worden sind als ihre männlichen Filmpartner Bradley Cooper, Christian Bale und Jeremy Renner. Eine Lohnlücke gibt es auch auf oberster Leitungsebene. Unter den 17 SPE-Managern, die jährlich eine Million Dollar oder mehr verdienen, ist eine einzige Frau: die stellvertretende Vorsitzende Amy Pascal. Von den beiden Produktionsleitern bei der Konzerneinheit Columbia Pictures verdient Michael De Luca fast eine Million Dollar mehr als sein weibliches Pendant Hannah Minghella. 

Sexismus, Rassismus, Rechentricks. Der Sony-Hack, für den die Regierung in Washington Nordkorea verantwortlich macht (mit schwachen Belegen), zeigt die wenig glamouröse Seite von Hollywood. Während die USA und Nordkorea einen heftigen diplomatischen Konflikt haben, hat die Filmbranche vor allem mit den unschönen Enthüllungen ihrer Geschäftspraktiken zu kämpfen. "Die gesamte Hollywood-Kultur fußt auf Verschleierung", sagt der amerikanische Investigativjournalist Edward Jay Epstein. Er recherchierte für sein Buch The Hollywood Economist verdeckt in der Branche. Bisher sei es der Filmindustrie weitgehend gelungen, ihr unlauteres Gebaren versteckt zu halten.

Die Hollywood-Kultur fußt auf Verschleierung
Edward Jay Epstein

Die Verfehlungen der Filmbranche haben ihren Ursprung im System. Trotz des mutmaßlichen künstlerischen Anspruchs geht es wie in jeder Branche um Gewinnmaximierung. Deswegen richtet sich Hollywood maßgeblich am Geschmack weißer, junger Männer aus: Sie sind es, die freitags und samstags die Mehrheit in den Kinosälen der Nation bilden, was sie zu den Hauptumsatzbringern für die Branche macht. Und sie identifizieren sich am meisten mit männlichen, weißen Schauspielern, sagt Epstein. 

Sexistische und rassistische Züge sind die Folge. Dagegen ließ sich bisher kaum mehr unternehmen als Appelle. So tadelte die diesjährige Oscar-Gewinnerin Cate Blanchett – deren Darbietung in Blue Jasmine Sorkin ebenfalls herabwürdigte – in ihrer Dankesrede Branchenkollegen, die immer noch meinten, Filme mit Frauen im Fokus seien Marktnischen. Sogar SPE-Chefin Pascal selbst sprach im Interview mit Forbes über den "armseligen" Gewinn, den Frauen in Hollywood im Vergleich zu Männern machten. In einer Kolumne für den Hollywood Reporter prangerte der schwarze Schauspieler Chris Rock an: "Die Branche ist weiß. Und die Schwarzen, die sie engagiert, sind meistens immer dieselben."