Der italienische Regisseur Francesco Rosi Ende der sechziger Jahre © dpa

Der italienische Filmemacher Francesco Rosi ist tot. Der vielfach ausgezeichnete Regisseur von Filmen wie Christus kam nur bis Eboli sei im Alter von 92 Jahren im Schlaf an den Folgen einer Bronchitis gestorben, berichtete die Zeitung Corriere della Sera am Samstag. Der Vertreter des italienischen Neorealismus wurde bekannt mit seinen Filmen über die Mafia, zu Politikskandalen und Justizaffären, verfilmte später aber auch viele berühmte Romane.

"Es ist ein sehr trauriger Tag für die Kinowelt, einer ihrer Meister ist von uns gegangen", sagte der italienische Kulturminister Dario Franceschini.

Rosi war einer der letzten Überlebenden der goldenen Ära des italienischen Nachkriegsfilms. Kritiker bezeichneten ihn in den 1970er Jahren als den intellektuellsten der italienischen Regisseure. Mit seiner Arbeit beeinflusste er Regisseure wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Ken Loach oder Oliver Stone.

Themen aus Politik und Gesellschaft

Der 1922 in Neapel als Sohn einer wohlhabenden Familie geborene Rosi sympathisierte mit den Sozialisten. Er wurde ein Freund des italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano. Rosi studierte zunächst Jura, bevor er zum Film und Theater wechselte. Er assistierte berühmten Regisseuren wie Luchino Visconti und Michelangelo Antonioni, bevor er selbst Filme machte. Zu größerer Bekanntheit gelangte er 1961 mit dem Mafiafilm Wer erschoss Salvatore G.? über einen bekannten sizilianischen Banditen. Im Jahr 1979 drehte er Christus kam nur bis Eboli über einen Gegner des Faschismus. Bevorzugte Themen waren aktuelle politische Affären und die sozialen Probleme Italiens.

Mit Hände über der Stadt gewann Rosi 1963 in Venedig den Goldenen Löwen. Der Film beleuchtet kritisch den wirtschaftlichen Boom im Nachkriegs-Italien. Drei Brüder (1981) befasst sich mit dem Terrorismus der 1970er Jahre in Italien. Schon in seinem Erstlingswerk Die Herausforderung (1958) setzte der gebürtige Neapolitaner Rosi den Ton: Er beschreibt darin das verbrecherische Treiben der Händler auf dem Gemüsegroßmarkt seiner Heimatstadt.

Einen seiner größten Erfolgen errang Rosi 1972 mit der Goldenen Palme in Cannes für Der Fall Mattei. 1997 meldete er sich nach langem Schweigen zurück: La Tregua (Die Atempause) beschreibt nach Erinnerungen des Schriftstellers Primo Levi dessen Flucht aus dem KZ Auschwitz nach Italien.

Nach zahlreichen weiteren politischen Filmen erschien im Jahr 1987 Chronik eines angekündigten Todes nach der gleichnamigen Erzählung von Gabriel García Márquez. 2009 erhielt Rosi auf der Berlinale den Goldenen Bären für sein Lebenswerk. Neapels Bürgermeister Luigi de Magistris würdigte den Verstorbenen als "Mann von immenser Kultur, außergewöhnlichen Regisseur, Stolz von Neapel".