Eingängige Rhythmen, Tänzerinnen in Zwanziger-Jahre-Kleidchen, Konfetti fliegt durch die Luft, schon wird die riesige Torte angeschnitten: Mitten in Paris wird eine Hochzeit gefeiert. Doch der Beginn des Films Samba führt in die Irre, denn schon fährt die Kamera weiter, in die verborgenen Räume des Festbetriebs. Dort, noch hinter den Konditoren, die die süße, weiße Pracht nun gerade in perfekt gleichmäßige Stücke zerlegen, steht Samba (herausragend: Omar Sy) an der Spülmaschine, ein hochgewachsener junger Schwarzer. Samba tanzt nicht, Samba wäscht Teller ab. Und das illegal, weil ohne Arbeitserlaubnis.

Dass Samba auch sonst sowieso überhaupt nicht gerne tanzt, nicht einmal, als es darum geht, die mögliche Frau (ebenfalls beeindruckend: Charlotte Gainsbourg) seines nicht besonders vergnügten Herzens zu erobern, kann man als Zuschauer an dieser Stelle noch nicht wissen. Wohl aber sieht man gleich, dass die neue Tragikomödie der beiden Regisseure von Ziemlich beste Freunde, Olivier Nakache und Eric Toledano, um einiges ruhiger, realistischer und weniger gefällig erzählt ist als ihre erfolgreiche Vorgängerin.

Angesichts beinahe täglicher neuer Meldungen über ISPegida, Proteste gegen Flüchtlingsheime, Gewalt in Flüchtlingsunterkünften, und nun sogar den erstochenen eritreischen Flüchtling in Dresden, können Filme den in den Schlagzeilen beinahe unvermeidlichen Generalisierungen subjektive Geschichten entgegensetzen. Samba ist einer von dreien zu dem Thema, das gerne "Flüchtlingsproblematik" genannt wird, wobei schon merkwürdig ist, dass mit Problematik selten die Leiden der Schutzsuchenden gemeint sind, sondern fast immer die Schwierigkeiten, vor die sich ihre, dem Wort kaum Ehre bereitenden, Gastgeber gestellt sehen. Samba, der Ende Februar anläuft, spielt in Frankreich. Die anderen beiden spielen in Deutschland – der eine, Guten Tag, Ramón, im Wiesbaden der Gegenwart, der andere, Wir sind jung. Wir sind stark., in Rostock-Lichtenhagen vor mehr als zwanzig Jahren. Gelingt es ihnen, ein differenzierteres Bild von der Flüchtlingssituation in Europa zu zeichnen?

"Ich bin weder Politikwissenschaftler noch Aktivist", stellt Burhan Qurbani, Regisseur des Lichtenhagen-Films, im Interview gleich zu Beginn klar. "Wir haben angefangen, an dem Film zu arbeiten, bevor wir wussten, dass es den NSU gab, bevor IS oder Pegida in den Schlagzeilen waren. Wir konnten nicht wissen, dass dieser Film, den wir universell erzählen wollten, jetzt doch wieder so erschreckend aktuell wird." Der junge Regisseur war mit seinem Debüt Shahada über drei Muslime in Deutschland 2010 auf der Berlinale vertreten. Schon damals recherchierte er darüber hinaus einen Stoff aus der jüngsten deutschen Geschichte rechtsextremer Gewalttaten: Der Pogrom von Rostock-Lichtenhagen 1992, bei dem Hunderte Rostocker Brandsätze auf eine Flüchtlingsunterkunft warfen (die damals noch abschätziger "Asylantenheim" genannt wurde), während weit mehr als tausend weitere Menschen zusahen und applaudierten und sogar die Polizei sich vollkommen zurückzog.

Qurbani erzählt aus dreifacher Perspektive, wie alles auf die Katastrophe zusteuert. Da sind die hilflosen, sich aus parteipolitischem Kalkül zurückhaltenden Lokalpolitiker (einen von ihnen spielt der wie immer wunderbare Devid Striesow), die verängstigten vietnamesischen Bewohner des angegriffenen Hauses, die zunächst hoffen, die da draußen meinten sicher eigentlich nicht sie, sondern "die Zigeuner nebenan – die verwechseln nur die Häuser". Den größten Raum aber nimmt eine Clique von Jugendlichen ein, die schließlich zu Mittätern werden. Nazis seien das aber nicht, sagt Qurbani, "darauf bestehe ich. Sie befinden sich eher in einer Art luftleerem Raum und konsumieren Lust und Gewalt. Ich habe den Eindruck, sie sind gar nicht so weit weg von den Jugendlichen heute". Wir sind jung. Wir sind stark. ist eine größtenteils überzeugende Annäherung an ein erschreckendes Stück Vergangenheit, das auch die Gegenwart zu verstehen hilft: "Man kann eine Linie ziehen von Lichtenhagen nach Zwickau; von denen, die damals Kinder waren, zur Terrorzelle des NSU."

Die deutsch-mexikanische Koproduktion Guten Tag, Ramón von Jorge Ramírez Suárez wirkt gegen dieses Kino recht naiv. Sie erzählt von einem jungen Mexikaner, den es auf der Flucht vor den Drogenbanden in seiner Heimat nach Wiesbaden verschlägt. Dort ist es zwar anfangs und des Nachts im kalten Bahnhof etwas ungemütlich, doch schon kurze Zeit später trifft er eigentlich nur noch auf unfassbar nette Menschen, die den stets dankbar Lächelnden kurzerhand zu ihrem neuen Tanzlehrer machen. Vor allem die ältere Dame Inge fühlt sich für ihn verantwortlich und von ihm verstanden – und das, obwohl sich die beiden auch nach Monaten bloß mit Händen und Füßen verständigen können, da Deutschunterricht offenbar nicht zum Hilfsrepertoire der Wiesbadener Oberschicht gehört. Nichts gegen den filmisch verwirklichten Traum von einer besseren Welt. Verharmlosung allerdings verschlimmert die Verhältnisse leider oft eher.