Der Pokal für das kaputteste Tatort-Team geht nicht erst in dieser Saison nach Dortmund: Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) "frisst Pillen", sprich: Psychopharmaka, weil er sonst die Ermordung seiner Familie nicht verkraften würde. Seine Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) bekämpft ihren Ehefrust mit Männern in Hotelbars und -betten. Die Jungen in Team, Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske), hatten ein Verhältnis, aber nach einer Abtreibung können sie sich nicht mehr in die Augen schauen.

Eigentlich wären sie alle ein Fall für den Polizeipsychologen, doch diese Planstelle wurde ja nur im Kieler und Frankfurter Tatort befristet vergeben. Also gehen sie sich gegenseitig auf die Nerven. Und zwar gewaltig.

Doch es gibt ja auch noch einen Fall zu lösen. Der Anführer einer rechtsradikalen Gruppe ist ermordet worden. Deren Verbindungen reichen, natürlich, denn wir sind in der BVB-Stadt, in die Skinhead- und Fußball-Fanszene. War Rivalität im Neonazi-Sumpf das Motiv?

Oder wurde Kai Fischer in einem Akt der Selbstjustiz umgebracht? Seit einem Jahr hatte die Polizei erfolglos versucht, dem Neonazi einen Mord nachzuweisen. Wollte die Ehefrau des brutal zusammengetretenen Opfers, von den Rechten nur "die Jüdin" genannt, Rache nehmen?

Dritte Möglichkeit: Die Situation eskalierte, als der Verfassungsschutz den Jungnazi anwerben wollte. Die Ermittler sind selbst alles andere als objektiv und frei von Vorurteilen.

Die deutsch-türkische Kommissarin Nora Dalay rastet mehrmals bei der Befragung von Rechtsradikalen aus, die sie dafür nachts überfallen und ihr ein Hakenkreuz auf den Bauch sprühen. Ihr Ex-Geliebter Daniel Kossik hat nicht nur so viele antisemitische Vorbehalte, dass einem als Gebührenzahler der Atem stockt, sondern auch einen Bruder in der Naziszene.

Peng: Selber einer! Ein typischer Spruch von Faber, der auch erklären kann, warum die Neonazis so erfolgreich sind. Ihr politisches Programm sei oft deckungsgleich mit dem Common Sense: Anti-Globalisierung und Anti-Kapitalismus – längst keine allein rechten Themen mehr: "Ja, wir sind alle kleine Nazis." Fabers Provokationen erreichen in dieser Folge ein neues Niveau. Die Twitter-Gemeinschaft feiert den Kommissar entsprechend.

Als das Geburtsdatum eines Neonazis genannt wird, kommentiert Faber trocken:

Die Sympathiekurve für Faber und sein Team ging über 90 Minuten stetig nach oben. Und selbst der schmierige Staatsanwalt muss gestehen:

Am Ende ist diesem Tatort etwas Seltenes gelungen: Das Thema Rechtsradikalismus wurde nicht im Stil des Bildungsfernsehens abgehandelt, sondern durfte in allen Ambivalenzen gezeigt werden. Gezeigt wurde ebenfalls ziemlich schonungslos: Es sind nicht irgendwelche Spinner am Rande der Gesellschaft, die wirres Zeug denken. Und auch Kommissare sind nicht immer nur Helden. Was bedeutet das aber für den Standort Dortmund? 

Im Tatort-Ranking hat sich Dortmund seinen Spitzenplatz gesichert.