Der erste Auftritt von Jan Böhmermann als Gastgeber einer Hauptkanal-Late-Night-Show im ZDF hat Wumms. Er wird Trending-Topic bei Twitter Donnerstagnacht, als die Sendung vorab auf ZDFneo läuft. Mit der Einblendung #ungefickt und seinem Kommentar "Also das ist jetzt der neue Humor, den man uns monatelang versprochen hat" macht Böhmermann alles richtig. "Herzlich Willkommen zum großen Untenrumspieleabend im ZDF", begrüßt er das Publikum seines Neo Magazin Royale. Hinfort mit der verklemmten, unkomischen und scheiblettenhaft klebrigen Nachtunterhaltung von Markus Lanz. Hier geht's zum Shitstorm, ins Internet und zur Sache.

Die Sache, das war zum einen die riesige Erwartung an den neuen Sendeplatz und die Kritik, sein Erfolgsrezept bestehe ja doch nur aus sexistischen und pennälerhaften Witzen, die von einer sensationsgeilen Schwarmdummheit goutiert wird. Wochenlang war Böhmermanns Upgrade von ZDFneo auf den Hauptkanal Thema der Medien. Würde sein Spott weniger scharf, seine Kritik am Fernsehen weniger direkt sein? Wie weit würde er gehen, um den Sendeplatz nicht wieder zu verlieren? In gewohnter Manier gibt Böhmermann die Kritik sofort an das lachende Publikum weiter: "Sie sind so mainstreamig geworden."

Dem Druck der Erwartung an seine erste halbe Stunde im ZDF schlägt er ein grandioses Schnippchen. Als Hashtag der Woche bittet er, keinesfalls #ungefickt, sondern #ZDFiscool zu benutzen. Es folgen großartige Seitenhiebe auf den nicht funktionierenden ZDF-Flashplayer und den Intendanten Thomas Bellut, der wahrscheinlich gerade keine Zeit habe, die Show zu gucken, weil er wichtigere Sendungen mit Johannes B. Kerner und Emma Schweiger einfädeln müsse. "Sebastian Edathy gefällt das!"

Dann folgen ein paar an aktuellen Nachrichten geopferte Witze über Ikeas vegetarische Köttbullar oder die Freigabe von Cannabis an Schwerstkranke, zu der er seine Live-Band Dendemann und die freien Radikalen beglückwünscht. 

Der Account der Show twittert nicht nur die Gags aus der Sendung, sondern dreht sie weiter. Zum Beispiel den mit dem Superkondom, das Bill Gates entwickelt und das "so sicher wie das Betriebssystem von Windows ist". Vom Twitter-Account hieß es dazu:   

Man kann es ihm als Satire auf Harald Schmidt vergeben. Gut wird Böhmermann erst wieder, als er selbstreferenziell wird. Ein "Beefträger" tritt auf, der einen Brief in Form eines Facebook-Posts von dem Rapper Haftbefehl überbringt: "Du bist einfach nur ein ganz schlechter Abklatsch von Markus Lanz … du kleiner Lauch." 

Der Beef, wie Rapper ihren inszenierten Konkurrenzstreit nennen, hatte Böhmermann vor dem neuen Sendestart einiges an Aufmerksamkeit gebracht. Allerdings weit weniger als der Beef mit dem Anwalt eines Fotografen, der ihm – zu Recht – Urheberrechtsverletzung vorgeworfen hatte. Dieses Thema jedoch streift Böhmermann nur indirekt, im Gespräch mit der Band Deichkind. Der wirft er vor, einen Song ihres neuen Albums von der Band Peter Bowling und die Katzen geklaut zu haben.

"Haben wir da mal grad einen Ausschnitt da?", fragt er, die großen Talkshowmaster imitierend, und es folgt eine gut gemachte Parodie seiner Produktionsfirma Bildundtonfabrik, in der Böhmermann als Keyboarder einer Achtziger-Jahre- Fake-Band auftritt, die aus in schwarzem Leder gewandeten Deichkindern besteht. "Beef my Neo" kommentiert er, wieder zurück als Talkshowmaster im Studio.