Frauen brechen auf zu einer Expedition ins Unbekannte. Das war in diesem Jahr durchaus ein Leitmotiv des Berlinale-Wettbewerbs. Im Eröffnungsfilm Keiner will die Nacht reiste Juliette Binoche ihrem Mann, einem Arktisforscher, hinterher. Und in Königin der Wüste schickt Werner Herzog Nicole Kidman auf Kameltour in den Nahen Osten.

Seine Titelheldin Gertrude Bell ist eine reale Figur: Die britische Historikerin, Schriftstellerin und Geheimdienstmitarbeiterin war eine Art weiblicher Lawrence von Arabien. Ihre Geschichte ist ganz nach Herzogs Gusto: Da zieht jemand entgegen jeder Vernunft, blauäugig und absolut überzeugt von sich und seiner Vision los, um das Fremde zu entdecken. Und will natürlich in Wahrheit das Fremde, Einsame in sich selbst überwinden.

1981 hatte Herzog, der Anarcho unter den deutschen Autorenfilmern, selbst so eine unmögliche Mission gestartet. Für seinen Film Fitzcarraldo ließ er nicht weniger als ein komplettes Schiff über einen Berg im peruanischen Dschungel zerren. In seinem Dokumentarfilm Mein liebster Feind erzählt er später von der Hölle der damaligen Dreharbeiten, von der Hitze, den Konflikten mit den Indios, dem ständig ausrastenden Hauptdarsteller Klaus Kinski und von seinem eigenen Egoismus bei diesem Projekt.

Königin der Wüste kommt da wie eine brave Hochglanzkopie seines früheren Werks daher. Schon bei der Besetzung reibt man sich ungläubig die Augen: Nicole Kidman als Titelheldin, Hollywoods Frauenhelden James Franco und Damian Lewis (bekannt als "Brody" in der Serie Homeland) als ihre Liebhaber und, allen Ernstes, Robert Pattinson als junger Lawrence von Arabien.

Auf der Pressekonferenz der Berlinale wird Herzog auch gleich gefragt, warum er diesen Stoff unbedingt mit Hollywood-Stars umsetzen wollte. "It was so big", antwortet der Regisseur etwas ungelenk. Und erzählt dann, wie sehr ihn vor allem das Innenleben Gertrude Bells berührt habe, nachdem er ihre Tagebücher gelesen hatte.

Königsmacherin im Nahen Osten

Bells Leben ist tatsächlich ein fantastischer Filmstoff und hat angesichts der aktuellen Krisenherde in Syrien und dem Irak auch heute noch viel Bezug zur Realität. Die Tochter eines reichen Industriellen wurde 1868 geboren und gehörte zu einer Handvoll Frauen, die in Oxford studieren durften. Das verdarb sie für eine Karriere als Ehefrau und Landlady.

In zahlreichen Expeditionen durch die entlegensten Wüstenregionen des heutigen Syrien und des Irak wurde sie neben Lawrence von Arabien zu einer der wenigen damaligen Expertinnen des Nahen Ostens. Und schließlich zur wichtigen Beraterin der britischen Regierung, als es darum ging, nach dem Ersten Weltkrieg die kolonialen Grenzen neu zu stecken. Bell war maßgeblich an der Ernennung der Könige Jordaniens und Iraks, Abdallah I. und Faisal, beteiligt. Sie genoss den Ruf, als einzige Fremde die Welt der Beduinen wirklich verstanden zu haben.