Auch als Kriminalautor hat man Bedürfnisse. Immer nur 08/15-Morde, erstechen, erschießen, Eifersuchtskiste, das macht ja auf Dauer keinen Schreiber glücklich. Wider die Langeweile finden deshalb gern Kuriositäten und pathologische Absurditäten in den Plot. Im Tatort äußert sich derlei dann so: Das Opfer stirbt den "Bolustod", je ein Stück grünen und roten Apfel im Hals (einst, im Tatort Oldenburg), oder wird qua Druckluftkorkenzieher zur Strecke gebracht (ein andermal, im Tatort Konstanz).

In Bremen wird es anders gemacht. Die Geschichte hinter Die Wiederkehr schöpft ihre Kuriosität nicht aus unkonventionellen Mordmethoden, sondern aus der schieren Masse an schlimmen Ereignissen. Im Programm diesmal Magersucht, Vergewaltigung, Suizid, Kindsmord und tödliche polizeiliche Ermittlungsfehler.

Wohlig gibt sich die Netzgemeinde ersten Gänsehautschauern hin – und einigt sich dabei schnell auf den Konsens des Abends: 

Tatsache. Fiona nämlich ist nicht Fiona, das vermisste Mädchen, das nach zehn Jahren aus der Verschollenheit auftaucht…

…sondern ein traumatisiertes Kuckuckskind, das Liebe und Geld sucht. So weit, so klar. Wären da nicht die Hippie-Leichen im Campingwagen und der falsche Speichel am entscheidenden DNA-Wattestäbchen. Während Humangenetiker und Psychologen der falschen Fiona vorerst Glauben schenken, begeben Inga Lürsen und Nils Stedefreund sich gewohnt lakonisch auf Fehlersuche. Den ersten hat die Hauptkommissarin höchstselbst begangen, zehn Jahre zuvor. Der verdächtigte Vater der Vermissten nahm sich da direkt im Anschluss an das Verhör das Leben.

Dass das vermeintlich ermordete Mädchen zehn Jahre später plötzlich wieder auf der Matte steht, macht die Sache mit dem Schuldgefühl nicht besser. Nur – wer ist wer und gehört wohin in diesem nebulösen Verwechslungsdrama, in dem die echte Fiona längst tot und der echte Mörder im Grunde unschuldig ist? Es braucht viele Wenden und Szenensprünge, um den Plot in all seiner Verschachtelung unterzubringen…

…und Mut zu Nahaufnahmen, die das Grausige noch grausiger machen. Der Zoom auf die Hässlichkeit, auf Kotze, Speichel und verwesende Leichen passt zwar gut zum Jargon dieser Familien-Tragödie, wird auf der Fernsehcouch aber mit gemischten Gefühlen erlebt.

Es ist verblüffend. Die Geschichte, die Die Wiederkehr erzählt, ist an vielen Stellen angreifbar. Sie ist konfus, überladen, irrational. Allein in der Vorgeschichte jedes Nebendarstellers steckt genug Drama für einen eigenen Film.

Und doch geht das Konzept in Begeisterung auf. Nach 90 Minuten ist das passiert, was sich ein Kriminalautor nur wünschen kann: Der Schreck sitzt tief. Und der Nachklang ist positiv. Es gibt Lob für Regie, Filmmusik und auch für Gro Swantje Kohlhof, die falsche Fiona, der man ihr Trauma durchweg abgekauft hat. Das letzte Schulterklopfen hebt die Netz-Kritik dann aber ganz für sich alleine auf.