Kiel-Gaarden, muss man sich das jetzt als sozialen Brennpunkt merken? Die Stigmatisierung von Stadtteilen fällt ja immer auf diejenigen Bewohner zurück, die es ohnehin am schwersten haben. Aber der Tatort: Borowski und die Kinder von Gaarden serviert die triste Wirklichkeit natürlich in sonntagabend-tauglicher Dosis. Alles nicht so schlimm, wenn nur die Sprüche stimmen.

Die traurigste Figur aus Gaarden stirbt schon in den ersten Minuten. Der 60-jährige Onno saß als "Kinderschänder" im Knast. Trotzdem bekommt er regelmäßig Besuch von einer Kinder-Gang, die sich allerdings nur ihre Vorteile (Alkohol, Pornos) aus der völlig verdreckten Wohnung abholt.

Im Viertel aufgewachsen ist auch Thorsten Rausch (Tom Wlaschiha), genannt Rauschi, der "Platzhirsch" unter den örtlichen Polizisten, wie ihn Borowski (Axel Milberg) gleich bei der ersten Begegnung nennt. Seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) dagegen – auch sie ist in dem Problemviertel groß geworden – erkennt in ihm ein Idol ihrer Jugend. 

Nicht nur die Uniform, diese 50 Shades of Blue–Kombination mit einem Hemd, dessen Kragen immer zwei Knöpfe zu weit geöffnet ist, macht den Polizisten Rauschi zum Star des Tatort-Abends. Tom Wlaschiha spielt ihn mit dem Killercharme des professionellen Frauen-Eroberers.

Eine Sache aber irritiert die Zuschauer. Mit Rauschi und Kommissarin Brandt treffen zwei Schauspieler zusammen, die man aus Game of Thrones kennt, dort als Shae und Jaqen H'ghar.

Das lässt den Theaterregisseur und leidenschaftlichen Twitterer René Pollesch jubeln:

Flirten die beiden etwa miteinander? Rauschi versucht es, gerät aber schnell selbst in Verdacht, der Mörder zu sein. Was jedoch Sarah Brandt nicht davon abhält, ihn weiter zu treffen. Borowski ist eifersüchtig und will den Polizistenkollegen überführen. Oder waren es doch die Kinder? Bei der Vernehmung verhält sich Borowski widersprüchlich: Einmal betont er, Minderjährige dürften nur mit Eltern oder einem Anwalt als Verdächtige befragt werden.  

Kurz darauf droht er einem Jungen, was ihm im Knast passieren könne, wenn er sich nicht kooperativ zeigt.

Es kommt zum Showdown mit Rauschi. Statt Game of Thrones ein "Game of Gaarden". Sarah Brandt fordert ihn in seiner Wohnung zu einem Trinkspiel heraus. Mit einer Kombination aus Black Jack und "Wahrheit oder Pflicht" soll er über- und nicht verführt werden. Der Verlierer muss eine Frage beantworten oder ein Glas Wodka auf ex leeren.

Nach einigen Runden landen die beiden auf dem Fußboden miteinander.

Nein, diesmal nicht. Sunnyboy Rauschi, der den Sex mit der Mutter eines mordverdächtigen Jugendlichen gegenüber Borowski "Revierpflege" nennt, kann weder Sarah Brandt herumkriegen, noch ist er der Mörder. Der ist ein kleiner Junge, dessen Motiv mit einem riesigen Hund zusammenhängt. Mit einem wenig passenden Namen.

Am Ende ist der Hund der einzige, der aus den Verhältnissen ausbrechen kann. Er läuft einfach davon, so schnell er kann.