Der Deutsche liebt Regeln. Die Regeln für eine erfolgreiche Serienproduktion lauten derzeit: horizontales Erzählen, düsterer Look, Held mit Persönlichkeitsstörung. Und auf keinen Fall das Internet vergessen.

Nach diesem Bausatz haben nun ZDF und zahlreiche Kooperationspartner einen aufwendigen Vierteiler mit dem Titel The Team produziert. Der Krimi über moderne Sklaverei in Europa vereint ein Ermittlerteam aus Deutschland, Dänemark und Belgien. Der Look ist düster-skandinavisch, über dem See vor der Potsdamer Mafiosi-Villa nebelt es sehr, und mindestens zwei der drei Kommissare sind verhaltensauffällig.

Gemäß der neuen "Online-First"-Strategie des ZDF konnte man sich die Serie schon ab 22. Februar, also zwei Wochen vor der Ausstrahlung im linearen Fernsehen, in der Mediathek ansehen. Die letzte Folge mussten sich die Zuschauer allerdings "freitwittern" – erst nach dem 25.000. TheTeam-Hashtag wurde das Finale online gestellt.

Dass 25.000 Menschen wissen möchten, wie ein Krimi ausgeht, ist durchaus ein Achtungserfolg für das ZDF. Zum Vergleich: Etwa genauso viele Leute verfolgten im diesem Zeitraum unter #newtopia die 24/7-Überwachung im Brandenburger Big-Brother-Bauernhof

Es ist daher auch nicht gleich ersichtlich, was an diesem ambitionierten Projekt eigentlich stört. Oder, vielmehr, warum einen gerade nichts stört. The Team ist wie eine dieser Designer-Küchen, die so gerne in Fernseh-Wohnungen aufgestellt werden: glattpoliert, aseptisch und kühl.

Dabei hat die Geschichte durchaus Potenzial: Ein litauischer Gangster baut ein europaweites Geschäft mit Menschenhandel und Zwangsprostitution auf. Als drei Prostituierte in Berlin, Antwerpen und Kopenhagen auf die gleiche Art ermordet werden, setzt Europol drei Ermittler auf sein Kartell an.

Auch die Schauspieler sind auf hohem Niveau gecastet. Der dänische Ermittler wird verkörpert von Lars Mikkelsen, gerade als russischer Präsident in der dritten Staffel von House of Cards zu sehen. Seine belgische Kollegin wird von Veerle Baetens gespielt, die 2013 den Europäischen Filmpreis bekommen hat. Und Jasmin Gerat als deutsche Kommissarin überrascht mit ihrer Ruppigkeit. Selbst die Nebenrollen sind mit Sunnyi Melles, Jalla Haase und dem Burgtheater-Schauspieler Nicholas Ofczarek prominent besetzt.