Screenshot des Videos, das Yanis Varoufakis 2013 bei einem Auftritt auf einer Konferenz in Zagreb zeigt © Allessandro del Prete/dpa

Versuchen wir es mal zunächst ganz nüchtern: Am Mittwochabend um 21 Uhr 12 hat Jan Böhmermann via Twitter ein YouTube-Video gepostet. Es beginnt wie so manche Videos, die Böhmermann und sein Neo Magazin Royale-Team für das Internet produzieren: Man sieht das Studio, Böhmermann sitzt an seinem Schreibtisch, dann sagt er: "Lieber Günther Jauch, liebe ARD, liebe Bild-Redaktion, einmal bitte tief durchatmen, vielleicht nehmen Sie sich einen Stuhl, setzen sich hin, Sie müssen jetzt ganz ganz stark sein…" Und was dann in den folgenden neun Minuten zu sehen ist, ist auf allen Ebenen unglaublich.

Denn mit diesem Einspieler behauptet Jan Böhmermann, dass er und seine Redaktion für das Video verantwortlich sind, in dem Yanis Varoufakis den Stinkefinger zeigt, während er über Deutschland spricht – das Video, das am Sonntagabend bei Günther Jauch zu sehen war und über das Varoufakis sagte, es sei gefälscht. Woraufhin er für einen Teil der deutschen Medien als Lügner dastand. Weil irgendwelche "Experten" hergeholt wurden, die keine Fälschung erkennen konnten. Also hat ein griechischer Finanzminister Deutschland den Stinkefinger gezeigt.

Oder eben doch nicht. Das Böhmermann-Video erklärt, wie die Redaktion das Stinkefinger-Video hergestellt und montiert habe – aber kann und sollte man Böhmermann in diesem Fall trauen? Was ist gefälscht, ein Fake, und was ist die Wahrheit? ZEITmagazin ONLINE konnte am Mittwochabend kurz mit Böhmermann sprechen, er sagt: "Das Video ist ein Fake. Natürlich zeigt der griechische Finanzminister öffentlich keinen Stinkefinger." Mehr wollte Böhmermann auch auf Nachfragen nicht sagen. Während des Gesprächs explodierten die sozialen Netzwerke Twitter und Facebook. Böhmermann schien von der Wucht, die er ausgelöst hatte, beeindruckt. Aber was hatte er erwartet?

Um halb drei Uhr nachts meldete sich dann auch der zu Wort, der im Zentrum der ganzen Aufregung stand. "Bahnt sich da eine Entschuldigung an?", twitterte Yanis Varoufakis an die Redaktion von Günther Jauch und verwies auf Böhmermanns Aktion. Er wirft der Sendung vor, "ein manipuliertes Video veröffentlicht zu haben, um eine auf Versöhnung ausgerichtete Stimme aus Griechenland zum Schweigen zu bringen". In einem weiteren Tweet wendet er sich an Böhmermann: Humor, Satire und Selbstironie seien ein gutes Mittel gegen blinden Nationalismus. "Wir Politiker brauchen Sie dringend", schrieb er an den Moderator.

Böhmermann selbst sagt am Ende seines Videos: "Liebe Redaktion von Günther Jauch. Yanis Varoufakis hat unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach das Video nur aus dem Zusammenhang gerissen und einen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. Damit sich Mutti und Vati abends nach dem Tatort noch mal schön aufregen können: 'Der Ausländer! Raus aus Europa mit dem! Er ist arm und nimmt uns Deutschen das Geld weg. Das gibt's ja wohl gar nicht. Wir sind hier die Chefs! So!' Das habt ihr gemacht. Und der Rest ist von uns."

Und der Rest, der spielt eigentlich keine Rolle. Das ist die eigentliche Botschaft des Videos von Jan Böhmermann.