Ist das Varoufakis-Video eine Fälschung oder echt? Hat Günther Jauch schlecht recherchiert oder Jan Böhmermann sich einen Scherz auf Kosten des ARD-Talkmasters erlaubt? Seit dem Morgen wird diskutiert, ob der Stinkefinger des heutigen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis am Ende doch manipuliert war – und zwar von Comedian Böhmermann und seinem Team. Auch Varoufakis hatte selbst bereits auf Twitter spekuliert, ob er schon bald mit einer Entschuldigung rechnen könne. Doch jetzt klärt das ZDF zufolge die Verwirrung auf: Böhmermanns Video über die Manipulation des Varoufakis-Auftritts war als Satire gedacht.

"Die Redaktion hat die Debatte über das Varoufakis-Video nach der Ausstrahlung in der Jauch-Talkshow satirisch zugespitzt", teilte der Sender mit. Über Twitter ließ die Öffentlichkeitsabteilung wissen, man erwäge künftig, alle Ausstrahlungen von Neo Magazin Royale mit dem Warnhinweis "Vorsicht Satire!" zu versehen. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler sagte Spiegel Online: Für die Moderation des heute journals werde Jan Böhmermann "sicherheitshalber vorerst ausgeschlossen".

Der Reihe nach: Vor zwei Jahren, am 14. und 15. Mai 2013, war Varoufakis in Zagreb beim Subversive Festival als Redner geladen, zwei Vorträge hielt er dort an den beiden Tagen. In einer Diskussionsrunde erläutert er als Wirtschaftswissenschaftler seinen Vorschlag, wie Griechenland die Krise bewältigen könnte. Darin spricht er auch davon, dass sein Land "Deutschland den Finger zeigen" könnte und macht auch die passende Geste. Varoufakis selbst hat dazu am 14. Mai 2013 gebloggt, das umstrittene Video ist dort jedoch nicht zu sehen. Es ist offenbar erst seit wenigen Wochen auf YouTube zu finden, hochgeladen am 12. Februar 2015 über den offiziellen Account des Zagreber Festivals. 

Sowohl Bild als auch BZ hatten bereits Ende Februar über das Video berichtet, an die breite Öffentlichkeit gelangte es dann am vergangenen Sonntag, als Jauch ihn damit konfrontierte. 

Noch in der Sendung sagte der aus Griechenland zugeschaltete Varoufakis, das Video sei manipuliert. Er sei zwar auf der Konferenz gewesen, niemals jedoch habe er dabei den Stinkefinger gezeigt. Jauch versprach noch während der Sendung, sein Team werde das Videomaterial überprüfen lassen.

Am Montag rechtfertigte sich das Jauch-Team: Das Video sei "plausibel und authentisch", mehrere Analysten hätten es untersucht und das Material zu 99,9 Prozent für authentisch befunden. Zu einer der von Jauch befragten Firmen gehört Jakob Hasse, Multimediaforensiker der dence GmbH in Dresden. Grundsätzlich fokussierten sich die Experten mit ihren Analysetools auf Störungen in Videobildern, die durch Geräte, Sensor, die Kompression der Kamera oder auch durch ein Bildbearbeitungsprogramm entstanden seien, erläuterte er ZEIT ONLINE. Bei dem fraglichen Video hätten sie unter anderem das Rauschmuster des Kamerasensors analysiert und daraus eine Art Fingerabdruck der Kamera erstellt. Anhand dieses Fingerabdrucks hätten sich keine Auffälligkeiten an dem Video gezeigt.

Am Mittwochabend schaltete sich nun auch ZDF-Comedian Jan Böhmermann in die Debatte ein. Via Twitter verbreitet er ein YouTube-Video, in dem er behauptet, das Video sei tatsächlich manipuliert – und zwar von ihm. In dem knapp zehnminütigen Beitrag erklärt Böhmermann, wie sein Team vom Neo Magazin Royale die Sequenz von 2013 gefunden und bearbeitet habe – für das Musikvideo V for Varoufakis, veröffentlicht im Februar 2015. Auf Nachfrage von ZEITmagazin ONLINE bekräftigte Böhmermann am Mittwochabend: "Das Video ist ein Fake. Natürlich zeigt der griechische Finanzminister öffentlich keinen Stinkefinger."

Die Produktionsfirma von Jauch blieb daraufhin abermals dabei: Das Video sei echt, für eine Manipulation lägen weiterhin keine Beweise vor. Unter anderem argumentiert das Jauch-Team, Varoufakis selbst habe am Montag nach der Sendung das Originalvideo gepostet – darin deutlich zu sehen ab Minute 40: Varoufakis zeigt Deutschland den Stinkefinger.

Eigentlich wollte das Böhmermann-Team die Auflösung erst am Abend liefern, schreibt die Bild-Zeitung. Doch das ZDF sah sich gezwungen, die Verwirrung schneller aufzuklären. Auch Böhmermann hat ein Statement abgegeben zum "Fake Fake Fake-Fake-Fake".