Es ist mal wieder so weit. Der Weltuntergang naht. Die Vernichtung der Menschheit scheint unabwendbar. Superhelden sind gefragt. Nicht ein, zwei, sondern viele müssen es sein, um den machthungrigen Maschinenmenschen aufzuhalten, dessen sonore Stimme in neuester Dolby-Qualität aus den Lautsprechern droht. Richtig originell ist der Plot von Avengers – Age of Ultron nicht. Aber es sind heute ja auch nicht die eigensinnigen Ideen, die das Publikum scharenweise ins Kino treiben, sondern Variationen des Altbekannten. Und auf diesem Gebiet des kreativen Wertstoff-Recyclings hat der Comic-Verlag Marvel, der mittlerweile zu einem riesigen Medienimperium ausgewuchert ist, echte Pionierarbeit geleistet.

Sollte es einmal einen Oscar für die maximale Ausbeutung des eigenen Ideen-Pools geben, könnte Marvel sich im Abonnementverfahren auszeichnen lassen. Seit der Jahrtausendwende hat der Verlag mit Spider-Man, X-Men, Fantastic Four, Iron Man, Thor, Hulk u. a. die systematische Verblockbusterung seines Comic-Fundus vorangetrieben und fährt auch in Krisenzeiten Milliardengewinne ein, die andere Studios vor Neid erblassen lassen.

Die Kinostarts werden über die Jahre hinweg mit dramaturgischem Geschick
choreografiert. Peu à peu werden die Marvel-Helden in die Schlacht um die
besten Boxoffice-Ergebnisse geschickt und nicht nur mit ausgefeilten
Sequel-Strategien reanimiert, sondern auch punktuell miteinander verlinkt. Der
Konzern spricht hier in seinen Verlautbarungen ganz unbescheiden vom
"Marvel-Universum".

Darin sind die Avengers-Filme als superlativer Kick für die sorgfältig herangezogene Fan-Basis ausgelegt, denn hier treffen sich alle paar Jahre Robert Downey Jr.'s Iron Man, Chris Hemsworths Thor, Mark Rufallos Hulk, Chris Evans Captain America, ergänzt durch Jeremy Renners Hawkeye und Scarlett Johanssons Black Widow, die es bisher noch nicht zu einem eigenständigen Kinoauftritt geschafft haben.

In Joss Whedons zweitem Klassentreffen, Avengers – Age of Ultron, wird nun deutlich, dass das Konzept "Viel hilft viel" nur bedingt kinotauglich ist. Das spürt man schon zu Beginn in der ersten Action-Sequenz, in der die einzelnen Helden scheinbar beiläufig, aber paritätisch genau austariert im Schlachtengetümmel vorgestellt werden: Die Choreografie der Szene kollabiert unter der personellen Last.