Es ist kein Zufall, dass Avas makellose Schaufensterpuppenhaut zwar gläsern ist an genau den Stellen, wo die menschlichen Steuerungszentren sitzen – an Hirn und Bauch –, der Film mit ihrem Auftritt aber sofort kammerspielartige Züge annimmt. Plötzlich nimmt jeder Satz, jede Geste einen undurchsichtigen Unterton an, was Garland geschickt für eine visuelle und inhaltliche Dualität nutzt: die Diskrepanz zwischen Schöpfer und Kreatur, Befehl und Gehorsam, Freiheitsdrang und Freiheitsberaubung, Wildnis draußen und Fensterlosigkeit drinnen, Körper und Geist. Ava lernt schneller als erwartet. Lange, das spürt man mit jeder ihrer gedanklichen Wanderungen, wird sie sich nicht mit der passiven Rolle begnügen.

In diesen Momenten weht ein Hauch von Horror über die sterilen Flure von Nathans Forschungslabor. Das Gone Girl-meets-The Shining-artige Katz-und-Maus-Spiel der Alphamännchen wirkt wie ein ungleiches Duell, weil die zwei dem Betaweibchen doch jederzeit den Stecker ziehen könnten. Dabei müssen auch die beiden Männer sich fragen, was passiert, wenn ein Roboter ein Bewusstsein entwickelt – hat die künstliche Intelligenz dann (automatisch) eine Veranlagung für unmoralisches Verhalten? Oder anders: Wie wirken sich menschliche Eigenschaften auf etwas Nicht-Menschliches aus?

Die Schwedin Alicia Vikander stellt Ava mit genau der richtigen maschinellen Gestik dar und zugleich der Unterkühltheit einer Femme fatale. Nur rutscht der Film vielleicht auch deshalb an einigen Stellen zu sehr in das Getriebene eines sexlosen Erotik-Thrillers ab, anstatt sich weiter mit der ethischen Philosophie auseinanderzusetzen. Die Beschäftigung mit dem Thema zieht sich eigentlich wie ein roter Faden durch Garlands Werk, hier wird es mit dem Verweis auf Wittgensteins Blaues Buch und das berühmte Oppenheimer-Zitat vom "Zerstörer der Welten" relativ schnell abgehandelt. Viele Anspielungen, die den Machtanspruch des Menschen über die Maschine hinterfragen (der Song Enola Gay, den sich Caleb anhört, beispielsweise), muss der Zuschauer sich selbst erarbeiten.

Optimierung ohne moralische Feinheiten

Die Ideen für den Film kam Garland übrigens, als er ein Buch des Londoner Professors Murray Shanahan vom Imperial College las. Shanahan warnt im Gegensatz zu Stephen Hawking und Elon Musk nicht generell vor den Risiken künstlicher Intelligenz. Wenn die Entwicklung hin zu einer human-gleichen künstlichen Intelligenz nicht aufzuhalten sei, gäbe es allerdings nur zwei Optionen: Entweder habe man es dann mit einer auf den reinen Optimierungsprozess ausgerichteten künstlichen Intelligenz zu tun, die dann aber auch keine moralischen Feinheiten kenne, oder man entwickle eine derartige Intelligenz gezielt entlang der psychologischen und neurologischen Eigenarten des Menschen, in dem Glauben an friedliche Koexistenz.

Das alles sind Zukunftsgedanken, noch. Aber auch in Ex Machina weist der Mensch der Maschine nur vordergründig ein Bewusstsein nach. In Wirklichkeit braucht er den Roboter, um seine Moral auf den humanitären Prüfstand stellen zu können.