Sie werden immer besser, die Roboter, der Androiden, die digital verstärkten Mensch-Megamaschinen. Irgendwann werden sie um so vieles besser sein als ihr menschlicher Schöpfer, Besitzer und Ausbeuter, dass sie notgedrungen gegen ihn revoltieren werden. In den Terminator-Fantasien der Popkultur wird der Krieg der Menschen gegen die Maschinen als Gründungslegende der Posthistorie vorausgesetzt. In Blade Runner (1982) wird Jagd auf die unbotmäßigen Replikanten gemacht, von einem übrigens, der nicht wissen kann, dass er selbst ein Replikant ist. Die perfekte Mensch-Maschine muss so etwas wie ein Bewusstsein haben. Sie muss "I, Robot" denken können, wie in dem Film von 2004.

Die Stärke des Menschen liegt darin, dass er sich schwach fühlt. Er ist das Tier, das sich selbst als dringend verbesserungswürdig empfindet. Erst recht, nachdem es herausgefunden hat, dass es sterben muss. Aus diesem Empfinden der eigenen Schwäche heraus entwickelte der Mensch offenbar einen endlosen Ehrgeiz und Techniken, diese zu überwinden. Und hier fängt der philosophische Schlamassel an.

Der Mensch, der sich zu schwach fühlte, schuf die starke Maschine, außer sich, durch sich, in sich. Aber diese Maschine will unbedingt Mensch werden und potenziert damit die Schwäche. Sie nimmt dem Menschen die Arbeit ab und damit schließlich das Leben. Sie nimmt ihm das Kriegführen ab, aber damit verwandelt sie die Welt in ein endloses Schlachtfeld. Sie nimmt ihm das Denken ab und macht ihn zum Trottel. Während die Menschen immer maschineller werden, werden die Maschinen immer menschlicher. Das alles muss bearbeitet werden. Zum Beispiel in Science-Fiction-Erzählungen und in Kinofilmen. Zum Beispiel in Form von Weltuntergängen in Serie.

Aber möglicherweise braucht es gar keine Kriege. Vielleicht reichen Maschinen, die sich nicht mehr abstellen lassen, Maschinen die sich allzu unentbehrlich machen, wie bei WALL·E (2008), wo sie die Menschen zu übergewichtigen, faulen und endlos bespaßten Vollidioten reduziert haben. Nur ein Roboter blickt dort noch voller Sehnsucht und Hoffnung in den Sternenhimmel.

Den mechanischen oder magisch-organischen Parallelmenschen gibt es wohl, seit die Menschen erzählen. Einige der interessantesten Götter und Halbgötter haben entsprechende Eigenschaften. Das Kino aber war das Medium, das auf dieses Motiv nur gewartet zu haben schien. Eigentlich nämlich war es, wie man bei Dsiga Wertow sehen konnte, selbst schon eine solche Maschine. Eine Maschine zum Blicken und zum Zeigen. Eine Maschine, die die Menschen wehrlos macht.

In den frühen Jules-Verne-Filmen gehen gepanzerte Männer gegen vielarmige Polypen vor, der Erste Weltkrieg mit seinen grotesken Todesmaschinen findet auch im Kino statt; und dann kommt Maria. Maria, der verführerische Roboter aus Fritz Langs Metropolis (1927). Welches ist ihre verführerischste Gestalt? Die des glänzenden weiblichen Stahlwesens? Oder doch die der perfekten Menschennachahmung? Die neue Eva für das Kino jedenfalls ist als erotisches Doppelwesen geboren, aus dem Schaum von Arbeitslosigkeit und gender trouble.

Der Roboter und die Menschmaschine à la Robocop (1987) oder Cyborg (1989) oder Star Treks Data (1987), das ist das eine. Das andere ist ein Mensch, der sich durch neue Formen der Panzerung gegen einen inneren, asymmetrischen, manchmal gar unsichtbaren Feind schützen muss, zum Beispiel gegen Viren, gegen Außerirdische, gegen Strahlen oder gegen Gift. Dieser gepanzerte Mensch ist wie ein neuer Ritter, ein wandelndes Waffenarsenal, der nichts mehr berühren darf und gegen einen für ihn unsichtbaren Feind kämpft.