"Siri, liebst du mich?" ist eine Frage, die anscheinend so oft gestellt wird, dass die lustigen Jungs und Mädchen drüben im Silicon Valley sich mindestens fünf Antworten darauf ausgedacht haben. Von der Fantasie, eine Roboterfrau zu haben, die einem assistiert und vor allem gehorcht, die man aber zur Not auch ausschalten kann, bleibt auch unser iPhone nicht verschont. Dass Siri in der Standardeinstellung eine weibliche Stimme hat, kann kein Zufall sein. Und tatsächlich, der Name der Software bedeutet auf Altnordisch so viel wie "Schöne Frau, die einen zum Sieg führt".

So richtig überzeugend ist Siri dann leider doch nicht, aber dafür gibt es ja das Science-Fiction-Genre, das die Fantasie für uns auf die Spitze treibt. In der Filmgeschichte wimmelt es nur so von weiblichen Cyborgs, die mal Madonna, mal Hure sind, die aber ohne Fehl sexualisiert werden. Als offensichtlichstes Beispiel mag Pris aus Blade Runner gelten, die als "Basis-Lustmodell" bezeichnet wird, aber selbst Samantha, die Software, die im Film Her nur als Stimme auftaucht, ist am Ende nicht mehr als das Objekt der Begierde des Protagonisten. Die Großmutter aller Roboterfrauen, Fritz Langs Maria, richtet mit ihren erotischen Tänzen in Metropolis allerhand Unheil an. Man könnte diese Liste beliebig weiterführen.

Die Frau als Maschine ist also offenbar eine reizvolle Vorstellung. Warum das so ist, wird vielleicht am deutlichsten in Die Frauen von Stepford, einem der wenigen Filme, die sich des Themas auf satirische Weise nähern. Joanna, eine Karrierefrau, zieht in eine Ortschaft, in der alle Frauen auf unheimliche Art und Weise unterwürfig, gehorsam, kurz, die "perfekten Ehefrauen" sind. Sie wundert sich – bis sie herausfindet, dass alle weiblichen Einwohner von ihren Männern durch Androiden ersetzt wurden.

Es geht bei diesen Fantasien natürlich hauptsächlich um Kontrolle. Eine Maschine hat keinen eigenen Willen, sie folgt Anweisungen, und im Zweifelsfall kann man sie zerstören, ohne ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Man kann sie mindestens besitzen, im besten Fall aber sogar genau so erschaffen, wie man sie haben möchte, so wie Pygmalion das im Ur-Mythos dieser Geschichten tut. Die Vorstellung von der Frau als Objekt ist eine so alltägliche Erscheinung; man kann sich kaum darüber wundern, dass dieses Motiv in Sagen, Mythen und Science-Fiction-Stoffen weitergedacht wird.

Während männliche Androiden oftmals als Helfer, Kumpel oder ernstzunehmende Antagonisten agieren, sind ihre weiblichen Pendants damit beschäftigt, sich aus der Gewalt der (fast ausnahmslos) männlichen Schöpfer oder Besitzer zu befreien. Gelingt diese Befreiung, lässt es den Zuschauer mindestens mit einem mulmigen Gefühl zurück. Denn die Emanzipation der weiblichen Maschinen repräsentiert das Erwachen ihres freien Willens, was offenbar in höchstem Maße beängstigend ist. Auch Ava, der weibliche Cyborg in Alexander Garlands neuem Film Ex Machina, ist getrieben von dem Bedürfnis, aus den Fängen ihres Erfinders Nathan zu entkommen. Der wiederum hat einen jungen, nerdigen Programmierer namens Caleb damit beauftragt, Ava dem Turing-Test zu unterziehen, also zu sehen, ob sie als Mensch durchgehen könnte.

Im Gegensatz zu dem Test, wie Turing ihn sich erdacht hatte, weiß Caleb von Anfang an, dass Ava ein Roboter ist. Daher ist es vielleicht der narrativen Kohärenz geschuldet, dass der Beweis für Avas Menschlichkeit nicht in ihrer kognitiven, sondern in ihrer emotionalen Intelligenz liegt. Diese soll dadurch bewiesen werden, dass Caleb sich in sie verliebt. Ihr Gesicht ist nach seinen Porno-Präferenzen modelliert und ihre Interessen sind auf Caleb abgestimmt. Wenn man bedenkt, wie nah Verliebtheit und Projektion beieinanderliegen können, wie sehr es bei der Begierde um ein Objekt gehen kann, ist das vielleicht die schlechtmöglichste Versuchsanordnung für einen Turing-Test. Auch innerhalb der "Beziehung" entsprechen Avas Methoden allen Stereotypen: Sie flirtet, manipuliert und am Ende benutzt sie den unglückseligen Caleb, um sich aus ihrem Gefängnis zu befreien.