ZEIT ONLINE: Frau Heiss, in Hedi Schneider steckt fest wird eine lebensfrohe Mutter Mitte dreißig plötzlich von Panikattacken befallen. Wie sehr lebt der Film von Ihren eigenen Erfahrungen?

Sonja Heiss: Auch ich hatte vor einigen Jahren eine Angst- und Panikstörung. Aber der Film ist nicht in dem Sinne autobiografisch, als dass ich irgendeine Szene wirklich selbst erlebt hätte. Mein eigenes Leben aufzuschreiben wäre eher langweilig geworden. Wenn du anfängst, von dir zu erzählen, kannst du nicht fantasievoll sein, sondern bleibst immer in der Realität stecken. Fantasievoll sollte der Film aber werden.

ZEIT ONLINE: Ihre Heldin verliert durch die Angststörung ihren spielerischen Zugang zur Welt. Was war für Sie damals besonders schlimm?

Heiss: Wie bei Hedi Schneider drehte sich in meinem Kopf ein paar Monate lang alles nur noch um die Angst, ich war Angst. In solch einer Phase ist man nur noch ein ganz kleines bisschen dessen, was man vorher einmal war. Meinen Humor hatte ich ebenso verloren wie die meisten anderen meiner Charaktereigenschaften.

ZEIT ONLINE: War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie die schwere Geschichte mit Komik erzählen wollen?

Heiss: Alles, was ich bisher gemacht habe, hat auf irgendeine Weise Humor. Er ist Teil meiner künstlerischen Ausdrucksform und entspricht meinem Blick aufs Leben. Bei Hedi Schneider steckt fest war meine Idee, durch den Humor einen anderen Zugang zu den Figuren zu schaffen. Wenn man mit ihnen lacht, weint man auch mit ihnen. Wenn man sich durch das Lachen öffnet, lässt man sich auch berühren.

ZEIT ONLINE: Welche Rolle spielte Humor in Ihrer eigenen psychischen Krise?

Heiss: Als es mir schlecht ging, hatte ich immer Angst, ich könnte eine richtig schwere Depression haben. Bis meine Psychiaterin einmal meinte: "Sie haben gerade einen Witz gemacht. Wären Sie schwer depressiv, wären sie dazu nicht in der Lage." Der Witz war für mich das Zeichen, jetzt geht’s bergauf.

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