Das Leben endet meist unbemerkt. Anders als früher, als viele im Beisein ihrer Familie starben, wird der Moment des Übergangs heute oft ausgelagert: in Altersheime, Kliniken, Hospize. Umso bedrückender ist es, wenn im Fernsehen kalkuliertes Sterben zu sehen ist. Wie gestern im Dortmunder Tatort, als die Ärzte jene Maschinen abstellten, die den zerschmetterten Leo Janek nach einem Sturz aus großer Höhe künstlich am Leben erhielten, und Verwandte, Polizisten und Publikum beim Sterben zusahen.


 

Man konnte den Tod sogar hören:


 

Dieses schnaufende Schweben durchzog den Dortmunder Tatort von der ersten bis zur letzten Sekunde. Schwerelos spielte ja auch unter Basejumpern, einer kleinen Szene wagemutiger Fallschirmspringer, die von Gebäuden, Masten, Brücken, Felsen springen.

Im vorliegenden Fall ist die Startrampe ein stillgelegter Hochofen im Ortsteil Hörde, hinlänglich bekannt aus anderen Ruhrpott-Fällen.

Doch nicht nur die Adrenalinjunkies befanden sich im freien Fall; auch die Ermittler bewegten sich bei ihrer Suche nach demjenigen, der Leo Janek am Schirm rumgeschnippelt hat, im Sturzflug durch die Episode. Allen voran Kommissarin Bönisch, die gleich zu Beginn ihren halbwüchsigen Sohn vermisst. Und natürlich Faber, dem der neunjährige Filius (und Mörder) des Opfers nostalgische Gefühle entlockt.

Und dabei auf eigenartige Weise mit der industrieruinierten Kulisse verschwimmt:

Wie üblich stolpern aber auch die Assistenten Dalay und Kossik durch die Trümmerlandschaft ihrer kaputten Beziehung. 

Im Gegensatz zu den tatverdächtigen Basejumpern können ihre Strafverfolger nämlich nicht loslassen – was sie mit allerlei merkwürdigen, meist krampfigen Hobbys kompensieren. 

Das macht diesen Tatort zu einem der traurigsten seit Langem. Nicht allein wegen des geplanten Todes eines Gefahrensuchers, sondern der großen Leere, die ringsum herrscht. 

Ein trister Tatort. Aber gewiss kein schlechter.