Morgens um vier ist die Welt noch in Ordnung. Es sei denn, es läuft "Game of Thrones". Der deutsche Bezahlsender Sky zeigt die fünfte Staffel der Erfolgsserie parallel zur US-Ausstrahlung auf HBO. Während der Primetime in Amerika ist in Deutschland allerdings noch nicht einmal die Sonne aufgegangen. Unser Autor musste also zehn Wochen lang jeden Montag verdammt früh aufstehen – um zu verraten, was in der Fantasy-Serie passiert.

Ich habe bislang überlebt, sagt der Zwerg Tyrion Lannister, als er mit den anderen im Herrschersaal von Meereen steht. Die Drachenmutter Daenerys hat sie alle zurückgelassen: Jorah Mormont, der von Daenerys Verstoßene, Wiederaufgenommene, Wiederverstoßene, womöglich Wiederaufgenommene; Daario Naharis, Daenereys' Lover; Missandei, Daenerys' Magd; und Grey Worm, Daenerys' Lieblings-Ex-Sklave, der Anführer der Unsullied. Sie alle überleben die zehnte und letzte Folge der fünften Staffel von Game of Thrones, und das macht sie zu Mitgliedern eines recht exklusiven Kreises. Denn es wird irre viel gestorben in dieser vorerst letzten Fernsehstunde der Serie (und wer sie erst noch sehen will, sollte jetzt wirklich nicht weiterlesen).

Der Tod ist das universelle Handlungs- und Ordnungssystem von Game of Thrones, insofern hat jedes einzelne Ableben einer Figur darin einen Sinn. Wenn auch, tja, nicht für die Figur selbst. Es gibt keinen Himmel über Westeros und Essos, auch wenn er immer wieder beschworen wird. Das ist das Paradoxon dieser Serie: Gestorben wird für nichts und wieder nichts, der Tod ist eine Strafe, mit dem in erster Linie bloß Rechnungen beglichen werden, insofern kommt er nie zufällig. Die Frage ist so auch nie, ob es den Richtigen, die Richtige trifft. Sondern was der Tod der Einzelnen für den Fortgang der Geschichte bedeutet. Game of Thrones ist ein Fernsehserie gewordener Abzählreim, ene, mene, muh und raus bist du – aus dem Spiel um den Eisernen Thron.

Diese letzte Folge der fünften Staffel ist eigentlich ein einziger Sortiervorgang, das Spielfeld für die nächste Staffel wird neu geordnet, die Tode werden abgearbeitet, Szene für Szene, Ort für Ort. Also dann: Gehen wir sie durch, etwas anderes bleibt ja kaum.

Ein Mädchen wird sehen – oder nicht

Stannis' Arm der königlichen Baratheon-Familie ist nunmehr offiziell ausgelöscht. Nachdem Stannis in der vorangegangenen Folge seine eigene Tochter seinen Ambitionen geopfert hat, erhängt sich schuldbewusst erst seine Frau, die nichts dagegen unternommen hat, bevor es Stannis selbst erwischt, nach dem gescheiterten Sturm auf die Burg Winterfell. Brienne rächt ihren einstigen Herrn Renly Baratheon, den jüngeren Bruder von Stannis, den der recht übersinnlich gemeuchelt hatte vor drei Staffeln. Letzte Worte hat Stannis keine, außer die an Brienne: "Tun Sie Ihre Pflicht." Tut sie dann auch. So ganz kopflos, wie er nun ist, wird Stannis keinen Thron mehr besteigen.

Sodann streicht Arya Stark den ersten Namen von ihrer Todesliste, Meryn Trent muss dran glauben, weil der einst Aryas Schwertkampflehrer umgebracht hat. Als Minderjährige müsste sie eigentlich straffrei wegkommen, tut sie aber nicht, Jaqen H'ghar, ihr übersinnlicher Mordslehrer, nimmt ihr mindestens vorläufig das Augenlicht. In der nächsten Staffel sieht sie weiter. Oder auch nicht.