Josh (Ben Stiller) und Cornelia (Naomi Watts) haben die vierzig überschritten und schlagen sich tapfer durch ihr kreatives Mittelklasseleben in New York. Schon seit mehr als sechs Jahren arbeitet Josh an seinem neunten Dokumentarfilm und hält sich mit universitären Lehraufträgen über Wasser, während Cornelia in der väterlichen Filmproduktionsfirma angestellt ist. Ihre Liebe ist nicht mehr die frischeste. Der gemeinsame Kinderwunsch blieb unerfüllt. Ebenso neidvoll wie befremdet blicken sie auf ihre Freunde, die im Rausch der späten Elternschaft vollkommen aufzugehen scheinen.

Da wird Josh nach seinem Seminar von zwei jungen Zuhörern angesprochen. Jamie (Adam Driver) und Darby (Amanda Seyfried) outen sich sogleich als Fan von Joshs erstem Film, den sie als Videokassette auf eBay erstanden haben. Man freundet sich über die offensichtliche Altersdifferenz hinweg miteinander an. Die Mittvierziger sind fasziniert von dem freien, lockeren Leben, dem offenen Geist und dem großzügigen Wesen des jungen Paares. Und schon findet sich Cornelia in einem Hip-Hop-Kurs wieder, radelt Josh mit Jamie etwas ungelenk durch Brooklyn und bietet dem Nachwuchsregisseur seine Hilfe bei dessen Filmprojekt an.

In Gefühlt Mitte Zwanzig lotet Noah Baumbach die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der gealterten Generation X und der jungen Millenniums-Hipster gründlich aus und bürstet dabei mit feinem Humor die Klischees gegen den Strich. Während die Alten sich zu Hause mit iPad und Netflix dem Rausch der neuen Medien ergeben, vergnügen sich die Jungen retrocool mit Brettspielen, Videokassetten und Vinylplatten. Das Loft von Jamie und Darby ist mit Sachen möbliert, wie sie Josh und Cornelia vor mehr als zehn Jahren weggeworfen haben. Sogar die peinliche Musik ihrer Jugend – Eye of the Tiger! – gilt wieder als hip. Der unvoreingenommene Blick, mit dem die junge Generation in die Welt schaut, frischt auch das eingefahrene Dasein der Etablierten auf – selbst wenn deren Versuche, die eigene Jugend wiederzubeleben, sich oft an der Grenze zur Lächerlichkeit bewegen.

Selten hat ein Film die Nuancen der Selbstverleugnung, die mit einer uneingestandenen Midlife-Crisis einhergehen, derart genau und humorvoll herausgearbeitet. Genauso wie Baumbach zuletzt in Frances Ha das schwebende Lebensgefühl der Endzwanziger eingefangen hat, nimmt er jetzt die eigene Generation ins Visier. Dabei erweist sich die direkte Kontrastierung mit dem überentspannten Hipsterpaar als geschickter Kunstgriff, zumal Baumbach noch eine Plotwendung aus dem Ärmel schüttelt, die alle Vertrautheit noch einmal gründlich auf den Kopf stellt. Höhepunkt der Generationskomödie ist ein gruppentherapeutisches Ritual, in dem die Teilnehmer im gemeinsamen Erbrechen zu sich selbst finden sollen. In solchen Szenen und mit seinen schnellen, pointierten Dialogen erweist sich Baumbach erneut als würdiger Woody-Allen-Nachfolger, der vollkommen entspannt auch noch einen Diskurs über die Manipulation von Wirklichkeit im Dokumentarfilm einflechten kann, ohne dabei prätentiös zu wirken.