Die Midlife-Crisis ist für Komiker ein dankbares Thema. Selbst wenn es gar nichts mehr zu lachen gibt, lassen sich der männlichen Lebenskrise noch ein paar allgemein verträgliche Witze abringen – notfalls auf eigene Kosten.

Neben ehemaligen Actionstars fällt es vor allem Komikern schwer, in Würde zu altern. Adam Sandler hat auf dieser Prämisse im Prinzip seine gesamte Karriere aufgebaut. Einer seiner erfolgreichsten Filme lief in Deutschland sogar unter dem Titel Kindsköpfe (im Original hieß er etwas ironischer Grown Ups). Sandlers Comedy-Routine ist die kindliche Regression.

 

In Pixels, dem neuen Film von Chris Columbus (Kevin – Allein zu Hause), sieht man ihn jetzt an der Seite anderer erwachsener Männer mit großkalibrigen Waffen auf grüne Lichtwürmer ballern, die vom Himmel fallen. Es handelt sich um eine überdimensionale Real-Version des Videospiels Centipede, mit dem Außerirdische die Erde angreifen, weil sie die interstellare Grußbotschaft einer Nasa-Mission aus dem Jahr 1982, zu der auch einige Achtziger-Jahre-Videospiel-Klassiker gehörten, als Kriegserklärung missverstanden haben. Auf so eine Idee muss man erst mal kommen.

Pixels basiert auf dem gleichnamigen Kurzfilm von Patrick Jean, er passt aber auch ausgezeichnet in das Portfolio Sandlers, der sich in seinen Filmen – von Happy Gilmore bis Kindsköpfe – den Wunsch nach ewiger Adoleszenz erfüllt hat. Der ausgedehnte Prolog von Pixels, angesiedelt im Sommer 1982, zeigt den jungen Brenner, die Sandler-Figur, und seinen besten Freund Cooper auf ihren BMX-Rädern zur Eröffnung einer neuen Spielhalle brettern. Die Stars des Vor-MTV-Zeitalters heißen Donkey Kong, Pac-Man, Space Invaders und Q*Bert, ihre Welt besteht aus zweidimensionalen Grafiken im heute nostalgischen 8-Bit-Design.

Anstoßen mit dem Präsidenten

Weil Brenner an der Konsole talentiert ist, qualifiziert er sich für die erste Videospiel-Weltmeisterschaft, wo er im Finale gegen Eddie "Fire Blaster" Plant (Peter Dinklage) verliert. Cooper ist als Gamer zwar zu blöd, sitzt dafür aber 30 Jahre später im Weißen Haus, während Brenner die unvorteilhafte Gestalt Adam Sandlers annimmt. Seine Niederlage hat er nie überwunden: Der "erwachsene" Brenner installiert Flachbildfernseher und schaut gelegentlich bei seinem Kumpel, dem Präsidenten, vorbei, um auf die guten alten Zeiten anzustoßen.

Dem ergeht es nicht besser: Im Fernsehen macht sich das Wahlvolk über den amtierenden Commander-in-Chief lustig, nachdem der sich vor einer Grundschulklasse bis auf die Knochen blamiert hat. Als die Aliens mit den Space Invaders, Pac-Man und Donkey Kong angreifen, rekrutiert der unterbelichtete Präsident seinen nicht minder derangierten Jugendfreund und zwei abgehalfterte Videospiel-Champions (unter anderem Dinklage) zur Rettung der Menschheit.

Babyboomer in Schlüsselpositionen

Es geht in Pixels natürlich nur vordergründig um eine Alien-Invasion. Eigentlich handelt es sich beim neuen Adam-Sandler-Film um einen Angriff der achtziger Jahre auf das Gegenwartskino. Die Retrowellen suchen die Populärkultur in immer kürzeren Intervallen heim. Die Babyboomer der Reagan-Ära nehmen in der US-amerikanischen Unterhaltungsbranche längst Schlüsselpositionen ein, ihre Sozialisation hat, meist unter dem Vorzeichen schamloser Nostalgie, markante Spuren in der Werbung, in Musikvideos und im Kino hinterlassen. Vor einigen Jahren durfte etwa Joseph Kosinski schon Tron, den Heiligen Gral aller Achtziger-Jahre-Nerds, neu verfilmen. Und bald feiert auch Robert Zemeckis Science-Fiction-Komödie Zurück in die Zukunft dreißigjähriges Jubiläum.

Die eckige Pixel-Ästhetik früher Videospiele hat in Kombination mit der hochaufgelösten CGI-Technik des modernen Blockbuster-Kinos durchaus ihren Reiz. In den Action-Sequenzen sieht Pixels auf eine rührig rückwärtsgewandte Weise spektakulär aus. Man bekommt eine Ahnung davon, dass das – zugegeben behämmerte – Konzept des Films durchaus funktionieren könnte. Der Showdown, in dem Schlümpfe, Super-Marios und Frogger durch die Straßen New Yorks marodieren und die Aliens mit Wolkenkratzern Tetris spielen, besitzt genau den visuellen Irrsinn, der auch dem restlichen Film gut getan hätte. Dummerweise setzt der Produzent (Adam Sandler) auf das nicht vorhandene Charisma seines Hauptdarstellers (Adam Sandler). Sandler wird, sobald er den Mund aufmacht, ziemlich schnell unerträglich – unerträglich infantil, unerträglich einfallslos und auch unerträglich sexistisch. Nicht nur das Frauenbild in Pixels ist eine einzige Katastrophe.

Mit seinen entgrenzten Mann/Kind-Figuren hat Adam Sandler in den neunziger Jahren einen anarchischen Ton in die seinerzeit sehr vorhersehbare US-Komödie eingeführt. Doch langsam nimmt die postpubertäre Verweigerungsstrategie zwanghafte Züge an. Sandler verteidigt sein kleines Reich verlängerter Adoleszenz, in deren Zuständigkeit in erster Linie harmlose Furzwitze und sexuelle Anzüglichkeiten fallen, mit immer aggressiverer Humorlosigkeit. Der Achtziger-Jahre-Soundtrack und die zahlreichen Pop-Zitate in Pixels dürften vor allem bei einem männlichen Publikum einen Nerv treffen, das gerade die eigene Jugend in Form von Retro-Sneakers, Hörspielkassetten und eben Videospielen wiederentdeckt: originalgetreue Imitate einer patinierten Vintage-Ästhetik. Popkulturelles Wissen stiftet Identität. Dass Sandler nie ein cooler Nerd gewesen ist, erkennt man aber schon daran, dass sich unter den Grußbotschaften an die Aliens auch ein Video von Bon Jovi befindet.