Berufsziel Polizist also. Dein Freund und Helfer? Oder Spaßverderber, Überwacher, Feind? Wer zur Polizei geht, wird ein Vertreter des Staates und seiner Gesetze. Mit allen Konsequenzen. Auch wenn das zu Ausbildungsbeginn ziemlich lustig wirken kann. Zumindest ist das der Eindruck, den Marie Wilkes Dokumentarfilm Staatsdiener in den ersten Minuten vermittelt. Wir sehen junge Männer und Frauen, die versuchen, sich in Übungsszenen Autorität zu verschaffen, dann aber am Wort "Identitätsfeststellung" verhaspeln. Die sich gemeinsam als geschlossene Schild-Formation fortbewegen sollen. Die sich beim Anziehen in ihrer Montur verheddern.

Die Dokumentarfilmerin Marie Wilke begleitet in Staatsdiener ein Jahr lang eine kleine Gruppe Polizeischüler aus Sachsen-Anhalt bei der Ausbildung. Anfangs beobachtet sie die Szenen in distanzierten, festen Kameraeinstellungen. Die strenge Form des ersten Teils des Films passt prima zum strengen Ausbildungsrahmen. Die Situationskomik spricht für sich.

Wirklich spannend aber sind die Zwischenmomente. Die, in denen sich Kathrin, Christian, Patrick, Ann-Kathrin und Viktor über das unterhalten, was sie da so lernen. In denen sie manches hinterfragen. Etwa, wie man damit umgehen soll, wenn sich Kollegen nicht fair verhalten und Bürger deren Namen wissen wollen. "Ich bin der Staat, alles andere geht die nichts an", sagt einer von ihnen. Andere, etwa Kathrin, die so etwas wie die Hauptfigur dieses Films ist, sehen das anders. Menschlicher. "Ab wann soll man sich verweigern", fragt sie sich.

In solchen Momenten bekommt der Film Tiefe. Man spürt, dass nicht alles einfach ist und schon gar nicht immer lustig. Und dass sich die jungen Polizeischüler vielleicht manches vor der Ausbildung anders vorgestellt hatten.

Marie Wilke fragt nicht nach. Zumindest nicht vor der Kamera. Sie führt keine Interviews mit ihren Protagonisten, sie beschränkt sich aufs Beobachten dieser Szenen, in denen die jungen Leute unter sich sind und reden. Formal ist das sehr gelungen. Manchmal ist es aber fast ein bisschen schade, wie streng die Regisseurin mit ihrem Film und seiner Form ist. Verlangt diese Berufswahl doch nach vielen Antworten.

Etwa auf die Frage: Wie geht das eigentlich mit dem Privatleben zusammen? Man muss nicht gleich an Marek Gorsky in Dominik Grafs Im Angesicht des Verbrechens denken, wo der junge Polizist von der eigenen Familie misstrauisch beäugt wird, weil sie selbst in mafiöse Strukturen verwickelt ist. Es geht auch eine Nummer kleiner: Eine Clique raucht zum Feierabend gern mal einen Joint – aber einer von ihnen ist neuerdings auf der Polizeischule. Doch darum geht es nicht in Staatsdiener.