Der Kalte Krieg ist wieder da. Zumindest auf den Bildschirmen: Mit Deutschland 83 schaffte erst kürzlich eine deutsche TV-Serie den Sprung ins US-Fernsehen, die keinen Nazi-Stoff verhandelt, sondern eine Geschichte aus dem geteilten Deutschland.

Die Serie über einen jungen ostdeutschen Spion in der feindlichen Bundesrepublik lief auf SundanceTV gar im Original mit Untertiteln, was als kleine Sensation verbucht werden darf. Seit Beginn der Ukraine-Krise mag es auch das zunehmend eisige Klima zwischen Russland und den USA sein, das den Kitzel der Epoche atomaren Wettrüstens zurück in die Erinnerung holt.

Denn noch bevor RTL im Herbst Deutschland 83 ausstrahlen wird, zeigt der WDR jetzt eine sechsteilige Miniserie der BBC, die sich um Agenten, Spione und Kommunisten dreht. Während die deutsche Produktion jedoch einen unbekümmerten Jedermann zwischen die ideologischen Fronten schickt, versetzt der britische Spionagethriller The Game seine Zuschauer mitten hinein ins Herz des elitären MI5, jenes aus Bond-Filmen bestens vertrauten Inlandsgeheimdienstes.

Stoischer Schönling

Im Mittelpunkt steht Agent Joe Lambe, ein Mann mit "obskuren, aber formidablen Talenten", wie es eingangs heißt. Ihn spielt Tom Hughes als kühlen, stoischen Schönling mit wallendem Haar und hohen Wangenknochen, der auch in jeder Jane-Austen-Verfilmung eine gute Figur abgeben würde.

Dank einer Rückblende wird schnell Lambes persönliches Drama klar: Bei Verhandlungen mit den Sowjets wurde seine Geliebte vor seinen Augen ermordet. Die Hintergründe des Einsatzes: undurchsichtig. Nun, ein Jahr später, bekommt es Agent Lambe erneut mit dem Strippenzieher von damals zu tun, und zur gleichen Zeit mit einem sowjetischen Überläufer, der behauptet, der KGB plane auf britischem Boden eine Operation namens Glass.

Lachhaft stereotyp

Die Zutaten für einen Thriller sind angerührt. Schon der Vorspann wartet mit allem auf, was das Genre und der historische Kontext verlangen: Hammer und Sichel, Nixon und Breschnew, Silhouetten von schwarzen Koffern und rotierenden Tonbändern, Pistole, Panzer und Atompilz. Auch der obligatorische Maulwurf im Secret Service darf nicht fehlen, der vertrauliches Wissen an die Gegenseite weitergibt. Als "Spiel nach unfairen Regeln" beschreibt Lambe einmal seine Tätigkeit, als Game.

Allein, die von den drei Serien-Autoren entworfenen Figuren wecken kaum Neugier. Zu stereotyp, teilweise lachhaft überzeichnet sind sie, zu schnell erkennt man ihre Rolle innerhalb von The Fray, wie sich das Geheimdienst-Team nennt. Da ist etwa der sozial unbeholfene Abhörexperte, der seine Witze vom Zettel ablesen muss, die farblos-schüchterne Sekretärin oder der schrullige Leiter der Gegenspionage, der noch ganz unter der Fuchtel seiner herrischen Mutter steht.


Die Folie des Kalten Krieges ist stets dankbar in seiner letztlich doch simplen Polarität: zwei Systeme, zwei Seiten, West gegen Ost, Gut gegen Böse. Dieses Lagerdenken macht es einfacher, den auch hier immer verworrener werdenden Geschehnissen rund um Geheimagenten und Informanten, Überläufer und Liebesaffären zu folgen. Doch so intelligent uneindeutig, wie etwa die Serie The Americans bei der Zeichnung ihrer Charaktere und der Verteilung von Sympathien vorgeht, ist The Game nicht. Zu vieles wirkt erwartbar und bekannt.

Gute Unterhaltung

Mitunter scheint die Serie sich mehr für holzvertäfeltes Interieur und hochgeschlagene Trenchcoat-Kragen zu interessieren, mehr für Stil als für einen packenden Plot. Wer dem London der Seventies nachtrauert oder einstige Angstszenarien wie dem in einer Szene heraufbeschworenen "Einmarsch der Roten Armee nach Piccadilly" etwas abgewinnen kann, für den ist The Game gute Unterhaltung. Wer hingegen nach neuen Erzählformen oder einer originellen Bildsprache sucht, sollte sein Glück besser anderswo suchen.

Selbst in der Heimat war der Serie nur ein überschaubarer Erfolg beschieden. Die BBC-Produktion lief im vergangenen Jahr zunächst in den USA, im April dann in Großbritannien. Vor wenigen Wochen twitterte Serienschöpfer Toby Whithouse enttäuscht, es werde keine zweite Staffel geben.

"The Game" läuft ab dem 26. August 2015 in Doppelfolgen immer mittwochs um 22.00 Uhr im WDR.