"Wer bist du?" fragt eine anonyme, irgendwie weiblich klingende Stimme, die vielleicht aber auch einfach die einer Maschine ist. "Ich bin niemand", antwortet die junge Frau, deren Vornamen man immerhin schon kennt: Rey. Und dass Rey sicherlich nicht "niemand" ist, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Skywalker, darüber herrscht im ziemlich großen Universum der Star Wars-Sternendeuter im Internet größtenteils Einigkeit. Nachdem am Dienstag nun der offizielle Trailer für den neuen Film veröffentlicht wurde mit diesem geheimnisvollen Kurzdialog zu Beginn, scheint die Frage bloß noch: Ist Rey die Tochter von Luke Skywalker oder doch von Han Solo?

Letzterer ist ja vor 32 Jahren mit Lukes Schwester Leia in den Sonnenaufgang über Endor geschritten am Ende der Ursprungsfilmtrilogie vom Krieg der Sterne und die ganze Star Wars-Saga mit ihren bislang sechs Teilen war ja eigentlich nichts anderes als eine bombastische Familienaufstellung. Vater, Sohn, Tochter, allein darum ging es, doch dafür wurde eine halbe fiktive Galaxis in Schutt und Asche gelegt, und Abermillionen Menschen guckten im Kino zu. Die Prequel-Trilogie, deren Filme dann zwischen 1999 und 2005 rauskamen, erzählte auch nicht viel mehr als: Hier wäre also die zuvor so schmerzlich vermisste Mutter der Bagage.

Das Rätselraten um den Inhalt der dritten Star Wars-Trilogie, deren erster Teil Das Erwachen der Macht am 17. Dezember in die deutschen Kinos kommt, läuft nun schon seit gut drei Jahren. Im Oktober 2012 wurde bekannt, dass George Lucas, der Schöpfer der Saga, sein Firmenimperium an eine eher dunkle Seite der Macht verkauft hatte, an den Disney-Konzern nämlich; und dass dieser Todesstern des Zeichentricks nun aber endlich die Filme sieben bis neun produzieren und die Geschichte der Skywalkers zu Ende erzählen würde.

Im vergangenen November kam der erste Teaser des neuen Films, im April der zweite, jetzt also folgte der Trailer und alle setzten neue Rekordmarken in puncto Zugriffszahlen im Internet. Kaum fünf Minuten Szenenmaterial sind zusammengenommen nun veröffentlicht, doch dass Das Erwachen der Macht der erfolgreichste Film aller Zeiten werden wird, bezweifelt schon zwei Monate vor dem Kinostart ernsthaft niemand mehr. 38 Jahre nach der US-Premiere von Star Wars wollen einfach zu viele Menschen wissen, wie es weitergeht mit der Skywalker-Sippe.

Doch das einzig Wesentliche, was man wirklich weiß bislang, ist Folgendes: J. J. Abrams, der als Regisseur und Co-Autor von Das Erwachen der Macht dient, aber vor allem die gestalterische Hoheit über alle drei abschließenden Star Wars-Teile haben wird, kehrt ästhetisch zur Ursprungstrilogie von George Lucas zurück – und bricht damit zugleich mit diesem.

Abrams verwarf nicht nur die Skriptideen für die Episoden sieben bis neun, die Lucas beim Verkauf an Disney abgeliefert hatte. Abrams erklärte ziemlich unverblümt auch die zuletzt von Lucas gedrehten Prequel-Episoden für filmisch gescheitert: Um den Ursprungsfilmen gerecht zu werden, habe man produktionstechnisch an diese anknüpfen und so viel wie möglich an echten Drehorten und mit echten Bauten drehen müssen, sagte Abrams im Juli während eines Auftritts auf der Comic-Con-Messe in San Diego.

Womit er auch implizit meinte: Die ausschließlich im Computer entworfene Welt der zweiten Trilogie wirkte pappig, unecht. Lucas, der um die Jahrtausendwende die Zukunft des Films allein in der digitalen CGI-Technologie sah, hatte sich monumental geirrt: Schon bald, nachdem die Filme in die Kinos gekommen waren, wirkten sie technisch überholt, etwa von James Camerons 3D-Epos Avatar.

Die Zukunft lässt sich nur gewinnen, indem man sie so weit wie möglich mit den Mitteln der Vergangenheit herstellt, das scheint Abrams' retrofuturistisches Credo zu sein. Er drehte größtenteils auf 35-Millimeter-Film und ließ seine Crew in der echten Wüste schwitzen, so wie einst George Lucas die seine im ersten Teil von Star Wars. Diesmal ging es statt wie einst nach Tunesien bloß nach Abu Dhabi. Um die 200 Millionen US-Dollar, so die Schätzungen, kostete die Produktion von Das Erwachen der Macht. Man soll dem Film das Geld dann wirklich ansehen, das in ihn reingesteckt wurde, in Form von physisch gebauten Sets.

Die Handlung des Films selbst aber, auch da sind sich die Star Wars-Verschwörungstheoretiker im Netz ziemlich einig, wird purer George-Lucas-Stoff sein, auch wenn der damit nichts mehr zu tun hat. Wenn die gute Rey ein Skywalker-Spross sein sollte, dann ist mutmaßlich auch der böse Kylo Ren einer, der im Trailer der verkohlten alten Maske Darth Vaders schwört, er werde das Werk des Urbösen und Spätgeretteten der Saga fortsetzen. Das kann eigentlich nur eine Familienangelegenheit sein, so wie es immer war, im größten aller Filmmärchen, Rey und Kylo könnten Geschwister sein oder wenigstens Cousins.

Die Szene könnte natürlich auch eine Referenz von J. J. Abrams auf George Lucas sein, eine Art symbolischer Vatermord (da Darth Vader ja schon lange tot ist und George Lucas quicklebendig). Die perfideste Art dieser Vorfahrenbeseitigung wird im Übrigen mit dem Vorsatz begangen, das Erbe nicht nur selbst anzutreten, sondern es auch noch im Geiste des Vaters fortzusetzen.