Zuallererst brannte sich die Stimme ein. Dieses tiefe, leicht angeraute Timbre, mit einem Hauch von britischer Herablassung, der sich schnell in scharfen Zynismus verwandeln konnte. Die sorgfältige Diktion verriet den Shakespeare-Darsteller, obwohl sich die Worte ihren Weg zwischen fast unbewegte Lippen bahnten. Allein diese Stimme verlieh Alan Rickman eine hypnotische Präsenz, die Harry Potter und den anderen Kindern an Hogwarths Zauberschule das Blut in den Adern gefrieren ließ, wenn er unvermittelt hinter ihnen auftauchte: "Ich kann Euch beibringen, den Geist zu verzaubern und die Sinne zu verwirren", ließ er sie als Professor Severus Snape wissen und sprach dabei zugleich auch über seine eigene Manipulationskunst als Schauspieler.

Eine latente Bedrohung schwang dabei immer mit. Aber sie konnte auch etwas sehr besänftigend Weiches haben, etwa wenn er in Anthony Minghellas übersinnlich romantischer Komödie Wie verrückt und aus tiefstem Herzen als Geist zurückkehrt, um seiner untröstlichen Witwe über den Verlust hinwegzuhelfen. Und auch wenn man ihn 1987 nicht als Vicomte de Valmont gesehen hat, in der Bühneninszenierung von Choderlos de Laclos' Gefährlichen Liebschaften, kann man sich gut vorstellen, wie Rickman diese Stimme zwischen Verführung und Boshaftigkeit oszillieren ließ. Mit wohlgewählten Worten, die er sich auf der Zunge zergehen ließ, verlieh er dem deutschen Terroristen Hans Gruber in dem Action Film Stirb langsam eine schneidende Gefährlichkeit und dem Professor Snape eine sinistre Zwielichtigkeit, die bis zum Schluss offen ließ, ob der nun gut oder böse ist.

Tatsächlich haben der britische Linguist Andrew Linn und der Toningenieur Shannon Harris 2008 im Rahmen einer Studie für eine Telefongesellschaft herausgefunden, dass Alan Rickman und Jeremy Irons die Inkarnation der perfekten männlichen Stimme sind.

Bescheidenheit und Unernst

Vor einem knappen Jahr in Berlin auf seine Stimme angesprochen, verneinte er, jemals bewusst an ihr gearbeitet zu haben: "Überhaupt nicht", sagte er verwundert lachend. "Ich öffne meinen Mund und spreche, und hoffe das Beste. Sie ist einfach da, genau wie mein Ellenbogen oder mein Ohr." Diese Mischung aus Bescheidenheit und Gleichmut war ein wesentliches Charakteristikum dieses Schauspielers, der immer gesagt hat, dass man seine Arbeit nur dann ernst nehmen könne, wenn man sich selbst nicht zu ernst nehme.

Schauspieler - Alan Rickman ist tot Die Schurkenrolle in "Stirb langsam" machte ihn berühmt, als Severus Snape piesackte er Harry Potter: Der britische Schauspieler Alan Rickman ist mit 69 Jahren an Krebs gestorben.

Dazu passt es auch, dass der 1946 im Londoner Arbeiterviertel Hammersmith geborene Alan Rickman erst relativ spät, mit 26 Jahren zur Bühne fand, nachdem er zuvor Kunst und Design studiert und mit mehreren Freunden ein erfolgreiches Grafik-Design-Studio gegründet hatte. Nebenbei hatte er hier und da ein bisschen gespielt und dabei Feuer gefangen. In den frühen siebziger Jahren erhielt er dann ein Stipendium an der Royal Academy of Dramatic Art und spielte anschließend in kleinen experimentellen Theatern, im Fernsehen, aber auch an der Royal Shakespeare Company, wo sein Auftritt als Valmont eben 1987 den Durchbruch markierte. Seine Spielpartnerin Lindsay Duncan kolportierte damals, wie sexuell aufgeheizt die Zuschauer das Theater verlassen hätten, voller Begehren, vorzugsweise nach Rickman.

Das Stück gastierte auch am Broadway, wo sie die Aufmerksamkeit des Produzenten Joel Silver erregte. So folgte schon ein Jahr später die große Hollywood-Rolle als Gegenspieler von Bruce Willis im Actionfilm Stirb Langsam. Das war der erste einer Reihe von schillernden Bösewichtern, zu denen der despotisch bösartige Sheriff von Nottingham in Robin Hood – König der Diebe gehörte, der am Rande des Wahnsinns oszillierende, russische Wanderprediger Rasputin im gleichnamigen HBO-Fernsehfilm oder der australische Rancher, der in Quigley, der Australier einen amerikanischen Auftragskiller auf die Aboriginees ansetzt.