Anne Will bleibt ihrem Konzept treu. © dpa/ Jörg Carstensen

Ein Sonntagabend im Fernsehen wie früher. Fast. Erst Tatort oder Polizeiruf 110, dann der Polit-Talk von Anne Will. Vier Jahre nachdem Günther Jauch Anne Will mit seiner Sendung auf einen Mittwochs- Sendeplatz verdrängt hat, ist Will zurück in der Primetime der politischen Talk-Runden. Es ist das Comeback der Woche.

Die 49-Jährige hatte auf diesem Premium-Sendeplatz im Ersten bereits von 2007 bis 2011 gesessen, bevor Jauch dort vier Jahre lang mit seinen Gästen über aktuelle Themen diskutierte. Nachdem dieser seinen Vertrag gekündigt hatte und im November die letzte seiner Sendungen ausgestrahlt wurde, bezieht die ehemalige Tagesthemen- Sprecherin wieder den Thron der öffentlich-rechtlichen Gesprächsformate.

Frisch gekämmt und gut gelaunt

Genugtuung? Keine Spur, zumindest nicht nach außen. Will sieht dem Sendeplatz- Umzug von Mittwoch (22.45 Uhr) auf Sonntag (21.45 Uhr) gelassen entgegen: "Ein bisschen was werden wir verändern, allein schon weil wir demnächst 60 statt 75 Minuten haben, aber grundsätzlich machen wir so weiter wie bisher. Also wischen wir einmal feucht durch, bringen das Altpapier raus und sind dann am 17. Januar frisch gekämmt und gut gelaunt zurück", sagte die TV-Journalistin vor ein paar Wochen. Interview-Anfragen kurz vor ihrem Comeback lehnte sie ab. Die Journalistin, die ihr Handwerk Anfang der 1990er beim SFB lernte, gilt nicht als jemand, der öffentlich nachtritt.

In einer ARD-Info heißt es zum Neustart lapidar: "Klar fokussiert, in der Regel nicht mehr als vier Gäste und eine deutliche politische und aktuelle Ausrichtung: Anne Will bleibt auch 2016 ihrem Konzept treu, wenn sie nach vier Jahren am Mittwochabend auf den Sonntag zurückkehrt." Das Studio in Berlin-Adlershof werde leicht überarbeitet. Künftig soll Blau, im Ersten die Farbe für Information und Aktualität, das Design der Sendung dominieren und so ihren Charakter als politisches Gesprächsformat optisch unterstreichen.

Der spöttische Zug um die Augenbraue

"Anne Will ist die perfekte Besetzung auf dem Premiumplatz des politischen Talks im deutschen Fernsehen. Nach dem Sonntagskrimi kann sie noch mehr Zuschauern wichtige Beiträge zur gesellschaftlichen Meinungsbildung bieten", frohlockt Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen. Es ist keine Frage, dass Will im Vergleich zu Jauch die kritischere Journalistin, härtere Nachfragerin ist. Sie wird weiter ihre Talk-Auftritte unbeeindruckt absolvieren, mit diesem unverwechselbaren, oft spöttischen Zug um die Augenbraue.

Frank Plasberg, der dereinst mit Will um die Sonntagabend-Talkshow konkurrierte, hat mal gesagt, man brauche eine gewisse Eitelkeit, um im TV aufzutreten. Dem widersprach Anne Will, zwar nicht direkt, aber doch grundsätzlich: "Es gibt Moderatoren, die vor allem mit sich beschäftigt sind, und solche, die vor allem mit der Sache beschäftigt sind."

Die Karten in Sachen Polit-Talk werden also wieder gemischt. Nach Jauchs Abgang sind im Ersten mit Anne Will, Frank Plasberg am Montag und Sandra Maischberger am Mittwoch noch drei Polit-Talker im Wettbewerb, dazu kommt Maybrit Illner im ZDF am Donnerstag. Die einstige Kritik an einem Übermaß an Talk scheint verstummt. Als die Ereignisse aus der Kölner Silvesternacht in der vergangenen Woche medial hochschlugen, wurden sogar die Talk-Formate, die sich allesamt in der Winterpause befanden, vermisst.