Die Uniform des Bösen stammt von italienischen Schneidern. Dunkle taillierte Anzüge, gestärkte Hemden, schmale Krawatten, Manschettenknöpfe. So sieht der Look der Mafioso im London der sechziger Jahre aus: umwerfend. Gleich am Anfang von Brian Helgelands Historienfilm Legend bringt der Gangsterboss Reggie Kray den Polizisten, die überwachungshalber vor seinem Haus im Auto sitzen, Kaffee. Ein Akt der Demütigung.

Reggie, der "Cockney-Bastard" aus dem East End, trägt teure Kleider, er hat es weit gebracht. In derselben Szene, unterlegt mit dem Instrumentalsouljazz von "Green Onions", läuft Reggie zu einem anderen Haus und trifft erstmals seine zukünftige Ehefrau Frances. Kurzes Dialoggeturtel, dann lutscht er das Zitronenbonbon weiter, das sie im Mund hatte. Glücklich verläuft ihre Verbindung dennoch nicht. Aus dem Off kommentiert Frances die Geschichte vom Aufstieg ihres Gatten und seines Bruders: "Ich musste ihn sehr lieben, um ihn so zu hassen."

Die Kray-Zwillinge sind mythische Figuren der britischen Nachkriegsgeschichte. Reggie Kray gab sich als Geschäftsmann, führte einen Nachtklub, in dem, so zeigt der Film, Stars wie Joan Collins verkehrten und das Fluchen verboten war. Ronnie Kray war nicht nur homosexuell, sondern auch psychisch gestört, "brutal, gewalttätig, pathologisch", wie seine Ärzte diagnostizieren. Beide wurden 1968 verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Kino - "Legend" (Trailer)

Selbst die Gewalt sieht super aus

Die Mafia zum Pop-Phänomen zu machen, ist schon länger ein Projekt des britischen Kinos. Guy Ritchie hat darauf seine Karriere aufgebaut, zuletzt lieferte Michael Winterbottom mit The Look of Love ein neongrelles Biopic über einen Porno-Unternehmer. Brian Helgeland ist nicht daran interessiert, mit Legend an der Oberfläche des organisierten Verbrechens zu kratzen, zu zeigen, wie Gewalt aussieht und sich anfühlt. Er zelebriert den Ruhm seiner Protagonisten.

Sicher, die Krays und ihre Leute verprügeln, foltern und ermorden Menschen. Aber ihre Anzüge sitzen stets so perfekt wie der erlesene Soundtrack mit Stücken von Burt Bacharach und Duffy. Den Todesstoß holt sich Legend dann auch ganz ohne Not – durch die Entscheidung, beide Hauptrollen vom selben Schauspieler verkörpern zu lassen. Tom Hardy muss chargieren, um die Zwillinge unterscheidbar zu machen. Sein Reggie ist ein pseudobiederer Zwangscharakter, Ronnie ein Monster mit Sprachstörung. Schmierentheater. Mafia-Stadel.