Samuel L. Jackson als Major Marquis Warren in "The Hateful Eight" © Universum Film

Man stellt sich Quentin Tarantino in dem Gespräch ungefähr so vor: "Hey, brothers, wollt Ihr einen Film, der echt was Besonderes ist? Der Euch genug Material in die Hände gibt, damit Ihr richtig ins Marketing einsteigen könnt? Mit einem provozierend politischen Thema – Rassismus, Gewalt –, damit er bei den Globes dabei sein wird und bei den Oscars?"

Und die Weinstein-Produzentenbrüder so: "Yeah!"
Tarantino: "Ein Western!" (lief schon bei Django Unchained gut)
"Yeah."
"Mit Filmmusik von Ennio Morricone!"
"Yeah! "
"Und auf 70-Millimeter-Film gedreht!"
"…"
"Das ist dieses irre superbreite Sechziger-Jahre-Format, in dem auch Ben Hur und Meuterei auf der Bounty gedreht wurden!"
"Yeah! Yeah! Yeah!"

Und so wurden für den Filmemacher Kameras aus den Sechzigern ausgegraben (und später noch ein paar zugehörige Projektoren), damit er seinen jüngsten Film drehen konnte, den Western The Hateful Eight, zu dem dann auf der Audiospur ein herrlicher Morricone-Sound herumlungert.

Kino - "The Hateful Eight" (Trailer)

Schon toll, also. Falls man ihn in 70 Millimetern anschauen kann. In Deutschland geht das in vier Kinos.

Aber auch beschnitten sehen wir minutenlang weite Schneelandschaften, die Wyoming darstellen sollen, aber in Colorado gedreht wurden. An einem Wegkreuz hat der leidende Christus aus Holz sein Antlitz abgewandt von der Straße, auf der – gleichsam aus seinen Lenden – eine Kutsche ins Bild prescht. Sechsspännig, weil das in keinem anderen Filmformat so gut aussieht, und vielleicht auch, weil sie dann mitsamt Kutscher an die sieben apokalyptischen Reiter erinnert.

In der Kutsche sitzen bereits zwei der titelgebenden Hassenswerten: der Kopfgeldjäger John Ruth, aus naheliegenden Gründen "Hangman" genannt (Kurt Russell), und seine jüngste Beute, die Banditin Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh). Zu ihnen gesellen sich in kurzweiligen Szenen ein weiterer Kopfgeldjäger, der seine Prämien lieber als Leichen transportiert (Samuel L. Jackson), sowie der Sheriff in spe Chris Mannix, der buchstäblich aus dem Nirgendwo auftaucht (Walton Goggins). Als die Kutsche dann an einem Gasthof mit dem putzigen Namen Minnies Miederwaren ankommt, tobt draußen ein Blizzard, während drinnen noch so was wie die Ruhe vor dem Sturm herrscht, auch wenn schon die ersten Schneeflöckchen durchs Dach rieseln. Hier treffen die Ankömmlinge auf die restlichen vier Hatefuls: Demián Bichir als Mexikaner; den vorgeblichen Henker Oswaldo Mobray, den Tim Roth spielt, als sei er Christoph Waltz; Michael Madsen als unglaubwürdigen Cowboy und Bruce Dern als unbekehrten Konföderierten-General. Kein sympathischer Haufen. Der Titel, muss man sagen, trifft's.

Es folgt ein zweieinhalbstündiges Kammerspiel auf 70 Millimetern, mit einem erwartungsgemäß hervorragend spielenden Tarantino-Ensemble, allen voran Jackson, Russell und Jason Leigh. Die Dialoge sind scharf und werden weniger gesprochen denn gespuckt. Filmfans auf Zitatenschatzsuche finden einiges, und bald schon liegen die ersten Leichen auf den Dielen. Wie bei Tarantino nicht anders zu erwarten – siehe Inglourious Basterds, siehe Django Unchained –, endet das Ganze in einem Gewaltinferno, das diesmal jedoch bereits nach der Hälfte des Films losbricht, um sich dann langsam zu steigern.